Unabhängige und gemeinsame Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und sitzender Verhaltensweise mit der Gesamtmortalität
Einleitung
Geringe körperliche Aktivität (PA) und ausgedehnte sitzende Verhaltensweisen (SB) gelten als wesentliche Risikofaktoren für die Mortalität. Weltweit werden jährlich über 5 Millionen Todesfälle auf unzureichende PA zurückgeführt, während langes Sitzen mit chronischen Erkrankungen und erhöhter Mortalität assoziiert ist. Bisherige Studien konzentrierten sich hauptsächlich auf westliche Populationen, sodass Daten zur chinesischen Bevölkerung begrenzt sind. Diese prospektive Studie untersuchte unabhängige und gemeinsame Zusammenhänge von PA und SB mit der Gesamtmortalität in einer südchinesischen Kohorte.
Hintergrund
Körperliche Inaktivität zählt zu den führenden vermeidbaren Mortalitätsursachen. Metaanalysen zeigen, dass SB für 3,8 % aller Todesfälle verantwortlich ist. In China hat der Wandel hin zu sedentären Lebensstilen Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher Folgen geweckt. Diese Studie adressiert die Forschungslücke durch die Untersuchung beider Faktoren im chinesischen Kontext.
Methoden
Studiendesign und Teilnehmer
Die Studie umfasste 12.608 Teilnehmer (Alter ≥35 Jahre) aus der China Hypertension Survey (2013–2014) in der Provinz Jiangxi. Nach Ausschluss unvollständiger Datensätze wurden 11.744 Personen über durchschnittlich 5,4 Jahre nachbeobachtet.
Expositionsvariablen
PA und SB wurden mittels International Physical Activity Questionnaire (IPAQ) erhoben. PA wurde anhand von MET-Minuten/Woche in niedrig, moderat und hoch kategorisiert. SB (≤1,5 METs im Sitzen/Liegen) wurde als tägliche Dauer (<6 h vs. ≥6 h) klassifiziert.
Kovariaten
Demografische, lebensstilbezogene und klinische Variablen (z. B. Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchen, BMI, Vorerkrankungen) wurden adjustiert.
Endpunktbestimmung
Todesfälle wurden über Telefoninterviews, Abgleich mit Gesundheitsbehörden und dem Zentrum für Krankheitskontrolle der Provinz Jiangxi verifiziert.
Statistische Analyse
Kaplan-Meier-Kurven und Cox-Proportional-Hazard-Modelle (R und Empower) bewerteten Mortalitätsrisiken. Additive Interaktionen wurden mittels RERI, AP und Synergieindex analysiert.
Ergebnisse
Teilnehmercharakteristika
Das Durchschnittsalter betrug 58,9 Jahre, die mittlere SB-Dauer 3,8 h/Tag. Die Gruppe mit niedrig-moderater PA und SB ≥6 h wies die höchste Prävalenz von Hypertonie, Schlaganfall, höherem BMI und männlichem Geschlecht auf.
Unabhängige Assoziationen
Bei 796 Todesfällen zeigte hohe PA ein geringeres Mortalitätsrisiko (5,2 % vs. 8,9 %; HR: 0,75; 95 %-KI: 0,61–0,87). SB ≥6 h war mit höherem Risiko verbunden (7,8 % vs. 6,0 %; HR: 1,37; 95 %-KI: 1,17–1,61).
Gemeinsame Assoziationen
Die Kombination aus SB ≥6 h und niedrig-moderater PA führte zum höchsten Risiko (11,2 % vs. 4,9 %; HR: 1,67; 95 %-KI: 1,35–2,06). Selbst bei hoher PA blieb SB ≥6 h riskant (7,0 % vs. 4,9 %; HR: 1,33; 95 %-KI: 1,12–1,56).
Diskussion
Die Studie unterstreicht die Bedeutung von PA und SB als modifizierbare Mortalitätsfaktoren im chinesischen Kontext. SB könnte über metabolische Dysregulation (z. B. erhöhte Glukose, Triglyzeride) und Entzündungsprozesse das Risiko steigern, während PA kardioprotektive Effekte vermittelt.
Stärken und Einschränkungen
Stärken umfassen die populationsbasierte Kohorte, große Stichprobe und umfassende Adjustierung. Limitationen sind subjektive Expositionserfassung und regionale Beschränkung.
Schlussfolgerung
Reduzierung von SB und Steigerung der PA sind zentrale Präventionsstrategien. Gesundheitsrichtlinien sollten beide Verhaltensweisen adressieren, um die Bevölkerungsgesundheit in China zu verbessern.
doi: 10.1097/CM9.0000000000001730