Varusarthrose des Sprunggelenks: Eine modifizierte Operationstechnik mit neuartiger Osteotomie und lateraler Scharnierplattenfixation
Die Sprunggelenkarthrose ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch den Abbau des Gelenkknorpels, Schmerzen, eingeschränkte Mobilität und Varusfehlstellung gekennzeichnet ist. Die supramalleoläre Osteotomie hat sich als zuverlässiges Verfahren zur Behandlung der Varusarthrose etabliert, insbesondere bei Deformitäten der distalen Tibia. Ziel dieses Eingriffs ist die Korrektur der mechanischen Achse, die Reduktion abnormaler Druckbelastung auf den Gelenkknorpel sowie die Verbesserung von Schmerzsymptomatik und Funktion. Herkömmliche Osteotomietechniken weisen jedoch Limitationen auf, darunter häufige intraoperative Fluoroskopie, Einschränkungen der frühen Mobilisierung und das Risiko einer lateralen Kortikalisdisruption während der Distraktion.
Eine Unterbrechung der lateralen Kortikalis kann zu Instabilität, Korrekturverlust, Implantatversagen oder Pseudarthrosen führen. Zur Überwindung dieser Nachteile wurde eine modifizierte Osteotomietechnik entwickelt, die eine vorgeformte Platte und eine innovative laterale Scharnierplattenfixation integriert.
Patientenauswahl und Evaluation
In einer retrospektiven Studie wurden 16 Patienten (Durchschnittsalter 57,7 Jahre) mit Varusarthrose über einen Zeitraum von vier Jahren analysiert. Der mittlere Nachuntersuchungszeitraum betrug 23 Monate. Die Funktion wurde mittels des AOFAS ankle-hindfoot-Scores bewertet, die Deformität anhand des Tibial Articular Surface Angle (TAS). Die Korrekturhöhe (H) wurde basierend auf dem gewünschten Korrekturwinkel (α) und dem Tibiadurchmesser (W) berechnet.
Operative Technik
Der Eingriff erfolgte in Rückenlage unter Allgemeinanästhesie in drei Schritten:
Schritt 1: Anterolaterale Inzision und Gelenkdebridement
Über eine 4 cm lange Längsinzision anterolateral wurde das Gelenk dargestellt. Osteophyten und Synovialgewebe wurden reseziert, um Impingement zu reduzieren und die Beweglichkeit zu erhöhen.
Schritt 2: Positionierung der vorgeformten Platte und Osteotomieplanung
Eine dreilochige, korrekturangepasste Platte wurde nahe der Syndesmose platziert und mit teilweise eingedrehten Schrauben fixiert. Die Osteotomieebene wurde durch einen von der Plattenmitte ausgerichteten Kirschner-Draht markiert, der 4,5 cm proximal der medialen Malleolusspitze positioniert wurde.
Schritt 3: Osteotomie und Keilinsertion
Die Osteotomie erfolgte oscillierend bis 5 mm vor der lateralen Kortikalis, die direkt visualisiert wurde. Nach Entfernung des Kirschner-Drahts wurde der Korrekturwinkel eingestellt und ein trikortikaler Beckenkammspan eingebracht. Die laterale Platte wurde definitiv fixiert, die mediale Tibia mittels winkelstabiler Platte stabilisiert.
Vorteile der modifizierten Technik
Im Vergleich zu konventionellen Methoden bietet das Verfahren mehrere Vorteile:
- Die laterale Scharnierplatte verhindert Kortikalisdisruptionen
- Die Doppelplattenosteosynthese gewährleistet hohe Primärstabilität gegen Scher- und Rotationskräfte
- Die Osteotomieebene kann lateral direkt visualisiert werden, wodurch Fluoroskopiekontrollen reduziert werden
- Keine zusätzlichen Inzisionen erforderlich
- Verwendung standardisierter Implantate ermöglicht breite Anwendbarkeit
Klinische Ergebnisse
Die Nachuntersuchungen zeigten signifikante Verbesserungen der Schmerzscores (AOFAS präoperativ 42,1 vs. postoperativ 82,3), Korrektur des TAS-Winkels (präoperativ 75,8° vs. postoperativ 89,1°) sowie eine stabile Wiederherstellung der Belastungsachse. Komplikationen wie Pseudarthrosen oder Implantatversagen traten nicht auf.
Schlussfolgerung
Die modifizierte supramalleoläre Osteotomie mit lateraler Scharnierplattenfixation stellt ein sicheres und effektives Verfahren zur Behandlung der Varusarthrose dar. Durch die Kombination aus direkter Visualisierung, reduzierter Fluoroskopiebelastung und biomechanisch überlegener Stabilisierung ermöglicht sie reproduzierbare Korrekturergebnisse bei geringer Komplikationsrate. Die Verwendung standardisierter Implantate unterstützt die breite klinische Anwendbarkeit.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000558