Veränderungen im Pathogenspektrum bei hospitalisierten Erwachsenen mit ambulant erworbener Pneumonie in der Provinz Fujian: Eine multizentrische, retrospektive Studie von 2012 bis 2018
Die ambulant erworbene Pneumonie (Community-Acquired Pneumonia, CAP) stellt weltweit weiterhin eine erhebliche Belastung für die Gesundheitsressourcen dar. Sie wird definiert als eine Infektion des Lungenparenchyms, die außerhalb des Krankenhauses auftritt, einschließlich Fällen, bei denen die Infektion nach der Aufnahme manifest wird. Das Pathogenspektrum der CAP hat sich im Laufe der Zeit aufgrund von Faktoren wie der weit verbreiteten Anwendung von Breitbandantibiotika, einer alternden Bevölkerung und dem Auftreten neuer Pathogene verändert. Diese Studie zielte darauf ab, die Veränderungen im Pathogenspektrum der CAP in der Provinz Fujian, China, von 2012 bis 2018 zu untersuchen und die Auswirkungen von Alter und Saison auf die Pathogenverteilung zu analysieren.
Studiendesign und Methodik
Diese multizentrische, retrospektive Studie wurde in vier Krankenhäusern in der Provinz Fujian durchgeführt: dem Fujian Provincial Hospital, dem Wuyishan Municipal Hospital, dem Putian University Affiliated Hospital und dem Sanming First Hospital Affiliated to Fujian Medical University. Die Studie schloss 791 hospitalisierte erwachsene Patienten ein, bei denen zwischen März 2012 und Dezember 2018 eine CAP diagnostiziert wurde. Patienten wurden eingeschlossen, wenn sie 18 Jahre oder älter waren, respiratorische Symptome wie Fieber, Husten oder Halsschmerzen aufwiesen und radiologische Hinweise auf eine Pneumonie hatten. Patienten mit nicht-infektiösen Lungenerkrankungen wurden ausgeschlossen.
Respiratorische Proben, einschließlich bronchoalveolärer Lavageflüssigkeit (BALF) oder tief induziertem Sputum, wurden innerhalb von 48 Stunden nach der Aufnahme gesammelt. Die Proben wurden alle zwei Tage gesammelt, wobei mindestens zwei aufeinanderfolgende Proben für die Analyse erforderlich waren. Die Proben wurden mittels mikrobiologischer Kultivierung, immunologischer Detektion und Nukleinsäuretestung verarbeitet. Die Pathogene wurden unter Verwendung des NucliSENS easyMAG automatisierten Nukleinsäureextraktionssystems und des Bio-Rad CFX96 fluoreszenzbasierten quantitativen PCR-Instruments identifiziert. Die Studie konzentrierte sich auf die Detektion von Influenza-A-Virus (Flu-A), humanem Metapneumovirus (hMPV), humanem Parainfluenzavirus (hPIV), respiratorischem Synzytialvirus (RSV), Adenovirus (ADV), Streptococcus pneumoniae (S. pneumoniae), Klebsiella pneumoniae (K. pneumoniae), Staphylococcus aureus (S. aureus), Mycoplasma pneumoniae (M. pneumoniae) und Chlamydia pneumoniae (C. pneumoniae).
Ergebnisse
Von den 791 Patienten waren 66,2% männlich, und das Durchschnittsalter betrug 64 Jahre. Pathogene wurden in 62,3% der Fälle identifiziert. Virusinfektionen machten 32,2% der Fälle aus, bakterielle Infektionen 39,2% und Infektionen durch atypische Pathogene 8,7%. Der häufigste Erreger war Flu-A, das in 20,5% der Fälle nachgewiesen wurde, gefolgt von S. pneumoniae (12,8%), K. pneumoniae (8,6%), S. aureus (6,4%) und C. pneumoniae (5,2%). Mischinfektionen wurden in 23,5% der Fälle beobachtet, wobei S. aureus, C. pneumoniae, K. pneumoniae, S. pneumoniae und RSV häufig mit anderen Pathogenen koinfizierten.
Eine schwere ambulant erworbene Pneumonie (Severe Community-Acquired Pneumonia, SCAP) wurde bei 7,7% der Patienten diagnostiziert, mit einem Geschlechterverhältnis von 4,5:1 (männlich zu weiblich). Die Mehrheit der SCAP-Patienten war zwischen 65 und 79 Jahre alt. Die häufigsten Erreger bei SCAP-Fällen waren K. pneumoniae (21,3%), Flu-A (19,7%), S. pneumoniae (16,4%) und S. aureus (9,8%).
Saisonale und regionale Variationen
Die Nachweisrate von Flu-A erreichte im Winter und Frühjahr ihren Höhepunkt. Während S. pneumoniae jedes Jahr nachgewiesen wurde, nahm seine Prävalenz von 2013 bis 2017 ab, während K. pneumoniae einen zunehmenden Trend zeigte. Die Nachweisrate atypischer Pathogene schwankte zwischen 7,2% und 14,3% während des Studienzeitraums.
Es wurden auch regionale Unterschiede beobachtet. Die Nachweisraten von Flu-A, K. pneumoniae, S. aureus und M. pneumoniae waren in Nicht-Fuzhou-Gebieten höher als in Fuzhou. Darüber hinaus wurde M. pneumoniae häufiger bei Patienten im Alter von 18 bis 49 Jahren nachgewiesen, während ADV häufiger bei Patienten unter 65 Jahren auftrat.
Diskussion
Die Studie hebt signifikante Veränderungen im Pathogenspektrum der CAP im letzten Jahrzehnt hervor. Die erhöhte Nachweisrate von K. pneumoniae in SCAP-Fällen, die S. pneumoniae übertrifft, ist ein bemerkenswerter Befund. Diese Verschiebung könnte auf die alternde Bevölkerung und die weit verbreitete Anwendung von Antibiotika zurückzuführen sein. Die Studie unterstreicht auch die Bedeutung der Nukleinsäuretestung zur Verbesserung der Sensitivität der Pathogendetektion im Vergleich zu traditionellen Methoden.
Die Ergebnisse unterscheiden sich von früheren Studien in China und im Ausland. Beispielsweise berichteten frühere Studien in China über eine höhere Nachweisrate atypischer Pathogene, während Studien in Europa und anderen Regionen S. pneumoniae als den vorherrschenden Erreger in SCAP-Fällen identifizierten. Diese Diskrepanzen könnten auf regionale Unterschiede in der Antibiotikaanwendungspolitik und den Bevölkerungsdemografien zurückzuführen sein.
Limitationen
Die Studie weist mehrere Einschränkungen auf. Erstens kann die Abhängigkeit von PCR-Assays, obwohl sie sensitiv sind, zu falsch positiven Ergebnissen führen. Zweitens konzentrierte sich die Studie auf nur 10 Pathogene, wodurch andere häufige CAP-Erreger möglicherweise nicht berücksichtigt wurden. Drittens könnte das Fehlen von Daten zur Antibiotikaresistenz und zur Antibiotikaanwendung vor der Aufnahme die Ergebnisse beeinflusst haben. Schließlich wurde die Studie nur in vier Krankenhäusern in der Provinz Fujian durchgeführt, was die Generalisierbarkeit der Ergebnisse einschränken könnte. Zukünftige Studien sollten mehr Zentren einbeziehen, um eine breitere Anwendbarkeit zu gewährleisten.
Schlussfolgerung
Diese Studie bietet wertvolle Einblicke in das sich entwickelnde Pathogenspektrum der CAP in der Provinz Fujian. Die zunehmende Prävalenz von K. pneumoniae in SCAP-Fällen und die abnehmende Nachweisrate von S. pneumoniae unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung und Anpassung der Behandlungsprotokolle. Die Ergebnisse betonen die Bedeutung der Berücksichtigung regionaler und demografischer Faktoren bei der Diagnose und Behandlung der CAP.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002250