Vergleich der Zellretransfusion mit einem versus zwei Absauggeräten während des Kaiserschnitts bei Patientinnen mit Placenta praevia und/oder Placenta accreta: Eine randomisierte kontrollierte Studie
Placenta praevia und Placenta-accreta-Spektrumstörungen sind hochriskante geburtshilfliche Zustände, die mit lebensbedrohlichen Blutungen während des Kaiserschnitts (KS) einhergehen. Die intraoperative Zellretransfusion (IOCS) hat sich als entscheidende Strategie erwiesen, um die Abhängigkeit von allogenen Bluttransfusionen zu verringern und damit verbundene Risiken zu mindern. Bedenken hinsichtlich einer Kontamination durch Fruchtwasser (AF)-Bestandteile wie Plattenepithelzellen, Lamellarkörperchen und fetale Erythrozyten haben die Anwendung in der Geburtshilfe jedoch historisch eingeschränkt. Diese randomisierte kontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit der IOCS mit einem versus zwei Absauggeräten während des KS bei Patientinnen mit Placenta praevia und/oder accreta, mit Fokus auf das Volumen der retransfundierten Erythrozyten und verbleibende AF-Kontaminanten.
Studiendesign und Methodik
Dreißig Patientinnen mit Placenta praevia und/oder accreta, die sich einem elektiven KS zwischen der 35. und 38. Schwangerschaftswoche unterzogen, wurden eingeschlossen. Ausschlusskriterien umfassten Infektionen, Diabetes, Präeklampsie und mütterliche Komorbiditäten. Die Teilnehmerinnen wurden mittels Excel-generierter Randomisierungsliste in zwei Gruppen eingeteilt:
- Gruppe 1 (n = 15): Ein einzelnes Absauggerät aspirierte während des gesamten Eingriffs Blut und AF.
- Gruppe 2 (n = 15): Ein zweites Gerät wurde primär zur AF-Aspiration vor Plazentalösung eingesetzt, während das erste Gerät Blut nach Plazentalösung sammelte.
Die Zellretransfusion erfolgte mittels Continuous Autotransfusion System (Fresenius Kabi AG). Das gesammelte Blut wurde durch ein Qualitätswaschprogramm aufbereitet und mit einem Leukodepletionsfilter (LeukoGuard RS) filtriert. Drei Blutproben pro Patientin – vor der Waschung (aus dem Reservoir), nach der Waschung und nach der Filtration – wurden auf AF-Kontaminanten analysiert. Primäre Endpunkte umfassten:
- Volumen der retransfundierten Erythrozyten (primärer Endpunkt).
- AF-Komponenten: Plattenepithelzellen, Lamellarkörperchen, Fett, IGFBP1, Alpha-Fetoprotein (AFP), Albumin, Laktatdehydrogenase (LDH), Kalium und fetale Erythrozyten.
Hauptergebnisse
Volumen der retransfundierten Erythrozyten
Gruppe 1 zeigte ein signifikant höheres Erythrozytenvolumen im Vergleich zu Gruppe 2 (401,6 ± 77,2 mL vs. 330,1 ± 53,3 mL; t = 4,175; p < 0,001). Das Gesamtvolumen des gesammelten Blutes war in Gruppe 1 ebenfalls größer (1765,6 ± 347,2 mL vs. 1123,3 ± 185,9 mL; t = 8,933; p < 0,001), was auf eine reduzierte Blutverschwendung bei Verwendung eines einzelnen Absauggeräts hinweist.
Entfernung von Fruchtwasser-Kontaminanten
Plattenepithelzellen
- Vor Waschung: Medianwerte waren zwischen den Gruppen ähnlich (Gruppe 1: 5 [Q1–Q3: 2–8] vs. Gruppe 2: 5 [1–6] pro Gesichtsfeld bei starker Vergrößerung [HPF]).
- Nach Waschung: Signifikante Reduktion in beiden Gruppen (Gruppe 1: 2 [1–5]; Gruppe 2: 2 [1–3]; p < 0,001).
- Nach Filtration: Plattenepithelzellen waren in 24/30 Proben nicht nachweisbar; Reste in je drei Proben pro Gruppe (0 [0–0] HPF; p < 0,001 vs. post-Waschung).
Lamellarkörperchen und Fett
- Lamellarkörperchen: Vor Waschung 12 [10–15] HPF; post-Waschung auf 4 [3–6] (Gruppe 1) bzw. 5 [3–5] (Gruppe 2) reduziert (p < 0,001); nach Filtration vollständig eliminiert.
- Fett: Vor Waschung 10 [10–10] HPF; post-Waschung auf 0 [0–1] (Gruppe 1) bzw. 2 [0–2] (Gruppe 2) reduziert (p < 0,001); nach Filtration nicht nachweisbar.
Biochemische Marker
- IGFBP1: Reduktion von 113,0 ± 17,1 ng/mL (vor Waschung) auf 15,6 ± 4,2 ng/mL (post-Waschung) in Gruppe 1 und von 115,1 ± 17,3 ng/mL auf 22,5 ± 9,9 ng/mL in Gruppe 2 (p < 0,001). Keine weitere Reduktion post-Filtration (Gruppe 1: 12,2 ± 5,5 ng/mL; Gruppe 2: 13,1 ± 6,0 ng/mL; p > 0,05).
- AFP: Rückgang von 1202,1 ± 107,6 ng/mL (vor Waschung) auf 204,5 ± 63,9 ng/mL (post-Filtration) in Gruppe 1 bzw. von 1342,8 ± 146,1 ng/mL auf 146,4 ± 35,5 ng/mL in Gruppe 2 (p < 0,001).
- Albumin, LDH, Kalium: Alle Marker zeigten signifikante Reduktionen post-Waschung (p < 0,01), ohne weitere Änderungen post-Filtration.
Fetale Erythrozyten
Fetale Erythrozyten persistierten in allen post-Filtrationsproben, jedoch auf niedrigem Niveau:
- Gruppe 1: 1,8 ± 0,8 % (Range: 1,0–3,5 %).
- Gruppe 2: 1,9 ± 0,9 % (Range: 0,7–4,0 %).
Kein Gruppenunterschied (U = 188,5; p = 0,651).
Klinische Implikationen
- Optimierte Erythrozytenretransfusion: Ein Absauggerät steigerte das Erythrozytenvolumen um 21,6 % im Vergleich zu zwei Geräten, was die autologe Transfusion bei hohem Blutungsrisiko optimiert.
- Effektive Dekontamination: Waschung und Leukodepletion eliminierten Lamellarkörperchen und Fett vollständig; Plattenepithelzellen und biochemische Marker wurden auf klinisch irrelevante Werte reduziert.
- Sicherheitsprofil: Residuale fetale Erythrozyten (≤4,0 %) bergen ein minimales Alloimmunisierungsrisiko, insbesondere unter Anti-D-Prophylaxe. Keine unerwünschten Ereignisse (z. B. Hypotension, Embolie) während der Retransfusion.
Methodische Aspekte
- Stichprobengröße: Die Studie war mit einer Power von 90 % für die Detektion eines 60-mL-Unterschieds im Erythrozytenvolumen ausreichend gepowert.
- Limitationen: Kleine Kohorte und Ein-Zentren-Design limitieren die Generalisierbarkeit. Langzeitrisiken mütterlicher Alloimmunisierung bedürfen weiterer Forschung.
Schlussfolgerung
Diese Studie zeigt, dass die IOCS mit einem Absauggerät während des KS bei Placenta praevia und/oder accreta die Erythrozytenrückgewinnung signifikant verbessert, ohne die Sicherheit zu kompromittieren. Die Kombination aus Waschung und Leukodepletion adressiert historische Bedenken gegenüber AF-Kontaminanten. Die Ergebnisse unterstützen eine breitere Anwendung der Ein-Gerät-IOCS in geburtshilflichen Settings mit antizipierter Massivblutung, im Einklang mit aktuellen Leitlinien zum Patient Blood Management.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000699