Vergleich von minimalinvasiver Ösophagektomie und offener Ösophagektomie bei Lymphknotenmetastasierung und -dissektion beim thorakalen Ösophaguskarzinom
Das Ösophaguskarzinom stellt nach wie vor eine erhebliche globale Gesundheitsbelastung dar, mit hohen Inzidenz- und Mortalitätsraten. In China, insbesondere in Regionen wie der Provinz Henan, zählt die Mortalität zu den höchsten weltweit. Die chirurgische Resektion ist ein zentraler Bestandteil der Therapie, wobei die minimalinvasive Ösophagektomie (MIE) und die offene Ösophagektomie (OE) die primären Verfahren darstellen. Diese Studie vergleicht die Ergebnisse von MIE und OE hinsichtlich der Lymphknotendissektion (LND) und Lymphknotenmetastasierung (LNM) bei Patienten mit thorakalem Ösophaguskarzinom.
Retrospektiv wurden Daten von 249 Patienten analysiert, die zwischen Januar 2016 und Januar 2019 eine MIE (n = 204) oder OE (n = 45) erhielten. Untersucht wurden die Charakteristika der LNM, die Anzahl der LND, die LND-Rate sowie die LNM-Rate und der -Ausmaß in verschiedenen mediastinalen und abdominalen Regionen.
Die Ergebnisse zeigten, dass die höchste LNM-Rate im oberen Mediastinum unabhängig von der Tumorlokalisation im thorakalen Ösophagus auftrat. Die LNM-Raten im mittleren und unteren Mediastinum sowie im Abdomen stiegen mit aboraler Tumorlage. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer systematischen LND, insbesondere im oberen Mediastinum, zur Reduktion von Lokalrezidiven und Metastasen.
In der MIE-Gruppe wurde eine signifikant höhere Gesamtzahl an LND durchgeführt als in der OE-Gruppe (23 [18, 29] vs. 19 [16, 25]; p = 0,008). Speziell im oberen Mediastinum war die Anzahl der LND in der MIE-Gruppe höher (8 [5, 11] vs. 5 [3, 8]; p < 0,001). Eine Subgruppenanalyse der oberen mediastinalen Lymphknoten (2R, 2L, 8U, 4R, 4L) ergab signifikant mehr LND in den Subgruppen 2L (3 [1, 5] vs. 0 [0, 2]; p < 0,001) und 4L (0 [0, 2] vs. 0 [0, 0]; p = 0,012) für MIE.
Die LND-Rate im oberen Mediastinum unterschied sich signifikant zwischen den Gruppen, insbesondere in den Subgruppen 2L (89,7 % [183/204] vs. 71,1 % [32/45]; p = 0,001) und 4L (41,2 % [84/204] vs. 22,2 % [10/45]; p = 0,018). Diese Unterschiede könnten auf den Vergrößerungseffekt der Endoskopie und den Einsatz des künstlichen Pneumothorax zurückzuführen sein, die präzisere Dissektionen in engen anatomischen Räumen ermöglichen.
Bei T3-Tumoren des mittleren Ösophagus zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der LNM-Rate des gesamten oberen Mediastinums (40,0 % [18/45] vs. 61,9 % [13/21]; p = 0,097). Allerdings war die LNM-Rate in der 2L-Subgruppe in der OE-Gruppe höher (11,1 % [5/45] vs. 38,1 % [8/21]; p = 0,025). Das LNM-Ausmaß im oberen Mediastinum war in der OE-Gruppe signifikant ausgeprägter (27,2 % [47/173] vs. 7,6 % [32/419]; p < 0,001), insbesondere in den Subgruppen 2L (7,7 % [13/169] vs. 34,7 % [17/49]; p < 0,001) und 4L (3,9 % [2/51] vs. 23,8 % [5/21]; p = 0,031).
Die Studie legt nahe, dass MIE aufgrund der höheren LND-Zahlen und -Raten eine genauere Erfassung des Metastasierungsstatus ermöglicht. Systematische LND, vorrangig im oberen Mediastinum, ist entscheidend zur Verbesserung der Langzeitprognose.
Limitationen umfassen den retrospektiven Charakter, die geringe Fallzahl und kurze Nachbeobachtungszeit. Selektionsbias ist möglich, da OE bevorzugt bei fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt wurde. Weitere Studien mit größeren Kohorten sind erforderlich.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass MIE Vorteile bei der LND im oberen Mediastinum bietet, insbesondere in den Subgruppen 2L und 4L. Systematische LND bleibt ein kritischer Faktor in der chirurgischen Therapie des thorakalen Ösophaguskarzinoms.
doi:10.1097/CM9.0000000000002342