Vergleich zweier Radiofrequenzablationstechniken bei Vorhofflimmern im Rahmen rheumatischer Klappeneingriffe
Vorhofflimmern (VF) ist eine häufige Herzrhythmusstörung, die durch unregelmäßige und rasche elektrische Aktivierung der Vorhöfe charakterisiert ist. Dies führt zu einer desynchronisierten Vorhofkontraktion und einem erhöhten Thromboembolierisiko. Bei Patienten mit rheumatischen Klappenerkrankungen ist VF besonders prevalent und kann die chirurgischen Ergebnisse signifikant beeinträchtigen, wenn es nicht während des Klappeneingriffs behandelt wird. Das Cox-maze-Verfahren, insbesondere in modifizierter Form unter Verwendung von Radiofrequenz(RF)-Ablation, hat sich als Standardtherapie etabliert. Diese Studie vergleicht die Wirksamkeit zweier RF-Ablationsgeräte – nicht-irrigierter Ablationszangen (AtriCure) und irrigierter Ablationssysteme (Medtronic) – bei Patienten mit rheumatischen Klappenerkrankungen und begleitendem Klappenersatz.
Studiendesign und Methodik
Retrospektiv analysiert wurden Daten von 278 Patienten, die zwischen Mai 2013 und Mai 2017 am Sichuan Provincial People’s Hospital eine modifizierte Cox-maze-RF-Ablation erhielten. Gruppe A (149 Patienten) wurde mit nicht-irrigierten Ablationszangen (AtriCure), Gruppe M (129 Patienten) mit irrigierten Systemen (Medtronic) behandelt. Primärer Endpunkt war die Sinusrhythmus(SR)-Wiederherstellungsrate.
Patientendemografie und Basischarakteristika
Beide Gruppen zeigten vergleichbare demografische Daten: Durchschnittsalter 53 Jahre, leichte Frauenprävalenz. Die VF-Dauer betrug 26,3 Monate (Gruppe A) bzw. 27,4 Monate (Gruppe M). Der linksatriale (LA)-Durchmesser war in Gruppe M (58,1 mm) geringfügig größer als in Gruppe A (57,4 mm; p > 0,05). Körpermasseindex, Herz-Thorax-Verhältnis und linksventrikuläre Ejektionsfraktion waren ähnlich.
Operatives Vorgehen
Alle Eingriffe erfolgten via Mediansternotomie unter Herz-Lungen-Maschine (HLM) mit moderater Hypothermie. Die RF-Ablationszeit unterschied sich nicht signifikant (28,9 vs. 29,5 Minuten). Die Aortenabklemmzeit (78,9 vs. 80,2 Minuten) und HLM-Zeit (116,5 vs. 119,1 Minuten) waren vergleichbar. Beidseitige Ablationslinien umfassten die Pulmonalvenenisolation, Verbindung zur Mitralklappenebene und Ablation des Ligamentum Marshalli.
Ergebnisse
Die SR-Raten zeigten keine Gruppenunterschiede:
- Entlassung: 75,2% (Gruppe A) vs. 73,6% (Gruppe M)
- 6 Monate: 72,5% vs. 71,3%
- 12 Monate: 70,5% vs. 69,8% (p > 0,05 jeweils)
Postoperative Komplikationen wie passagere AV-Blöcke (7 vs. 5 Fälle) und permanente Schrittmacherimplantationen (je 2 Fälle) waren ähnlich verteilt. Laborparameter (Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio, Troponin I) unterschieden sich nicht.
Diskussion
Beide Ablationstechniken erwiesen sich als gleichwertig effektiv in der SR-Wiederherstellung, unabhängig vom LA-Durchmesser. Die lineare Korrelation zwischen LA-Größe und Ablationsdauer (R² = 0,41 für Gruppe M vs. 0,36 für Gruppe A) unterstreicht die Bedeutung atrieller Remodeling-Prozesse. Die Verwendung bipolarer RF-Systeme ermöglicht transmurale Läsionen auch bei vergrößertem Vorhof, was die hohen Langzeiterfolge erklärt.
Limitationen
Retrospektives Design und fehlende Randomisierung limitieren die Aussagekraft. Die 12-Monats-Nachbeobachtung und 24-h-Holter-Monitoring könnten AF-Rezidive unterschätzen. Prospektive Multicenterstudien mit längeren Follow-up-Zeiträumen sind erforderlich.
Schlussfolgerung
Nicht-irrigierte und irrigierte RF-Ablationssysteme zeigen vergleichbare Sicherheit und Effektivität bei der chirurgischen VF-Therapie rheumatischer Klappenpatienten. Die Gerätewahl sollte sich an chirurgischer Expertise und Verfügbarkeit orientieren.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000276