Vergleichbare Wirksamkeit von Aspirin und Rivaroxaban zur VTE-Prophylaxe nach HTEP

Vergleichbare Wirksamkeit von 100 mg Aspirin zweimal täglich und Rivaroxaban zur Prophylaxe venöser Thromboembolien nach primärer Hüfttotalendoprothese: Eine randomisierte kontrollierte Studie

Venöse Thromboembolien (VTE), einschließlich tiefer Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE), sind eine bekannte Komplikation nach Hüfttotalendoprothesen (HTEP). Postoperative VTE führen zu erheblicher Morbidität und Mortalität sowie zu hohen Behandlungskosten durch komplexes Management und verlängerte Hospitalisierung. Aufgrund der weltweit steigenden HTEP-Zahlen ist die Suche nach sicheren und effektiven Prophylaxestrategien entscheidend. Obwohl antithrombotische Prophylaxe das VTE-Risiko senkt, bleibt das optimale Regime hinsichtlich Wirksamkeit und Blutungsrisiko umstritten.

Aktuell umfasst die VTE-Prophylaxe niedermolekulares Heparin (NMH) und neue orale Antikoagulanzien (NOAK) wie Rivaroxaban. Rivaroxaban zeigte gegenüber NMH eine überlegene Wirksamkeit und Handhabung, ist jedoch mit erhöhten Blutungs- und Wundkomplikationen assoziiert. Aspirin, ein Thrombozytenaggregationshemmer, wurde als kostengünstige, orale Alternative mit minimalem Monitoringbedarf vorgeschlagen. Die optimale Aspirin-Dosis für die VTE-Prophylaxe nach HTEP bleibt jedoch unklar.

Diese Studie verglich die Sicherheit und Wirksamkeit von 100 mg Aspirin zweimal täglich mit Rivaroxaban (10 mg einmal täglich) zur VTE-Prophylaxe nach elektiver primärer unilateraler HTEP. Die Hypothese war, dass Aspirin in der VTE-Prävention vergleichbar zu Rivaroxaban sei, bei ähnlichem Blutungsrisiko.

Methoden

Die randomisierte kontrollierte Studie (RCT) erfolgte gemäß Deklaration von Helsinki mit Ethikkommissionsgenehmigung. Eingeschlossen wurden Patienten von 20–80 Jahren ohne VTE-Anamnese, Malignome oder Thrombophilien, die sich zwischen Januar 2019 und Januar 2020 einer unilateralen HTEP unterzogen. Die Teilnehmer wurden randomisiert entweder mit magensaftresistentem Aspirin (100 mg 2×/Tag) oder Rivaroxaban (10 mg 1×/Tag) für 5 Wochen behandelt.

Alle Operationen erfolgten via posterolateralen Zugang unter Allgemeinanästhesie durch zwei erfahrene Chirurgen. Tranexamsäure wurde prä- und intraoperativ verabreicht. Postoperativ kamen pneumatische Kompressionssysteme zum Einsatz, gefolgt von Teilbelastung ab postoperativem Tag 1 (POD 1). Nachuntersuchungen erfolgten an POD 30 und 90.

Primäre Endpunkte waren symptomatische VTE, sonografisch diagnostizierte TVT, Gesamtblutverlust und Blutungsereignisse. Sekundäre Endpunkte umfassten den Harris-Hip-Score (HHS), postoperative Erholung sowie gastrointestinale (GI) Komplikationen und Wundheilungsstörungen.

Ergebnisse

Von 70 Patienten (34 Aspirin, 36 Rivaroxaban) traten keine symptomatischen VTE auf. Die TVT-Raten unterschieden sich nicht signifikant (Aspirin: 8,8 % vs. Rivaroxaban: 8,3 %). Der Gesamtblutverlust war vergleichbar (944,9 ml vs. 978,3 ml). Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich im HHS (POD 30/90), Blutungsrate (2,9 % vs. 8,3 %) oder GI-Komplikationen (2,9 % vs. 5,6 %).

Die univariable Analyse identifizierte nicht-idiopathische OP-Indikationen und erhöhte D-Dimere am POD 1 als TVT-Risikofaktoren. In der multivariablen Regressionsanalyse war die Wahl des Antithrombotikums kein unabhängiger Prädiktor für TVT.

Diskussion

Die Studie unterstützt 100 mg Aspirin zweimal täglich als sichere und effektive VTE-Prophylaxe nach HTEP. Die vergleichbaren TVT-Raten und Blutungsneigungen beider Gruppen entsprechen früheren Erkenntnissen zur Aspirin-Wirksamkeit bei niedriger Dosierung. Der Thrombozytenaggregationshemmung durch Aspirin kommt dabei eine zentrale Rolle in der Thromboseprävention zu. Die Kombination mit frühzeitiger Mobilisation und Kompressionstherapie trug vermutlich zur geringen VTE-Inzidenz bei.

Limitationen

Die monozentrische Studie mit kleiner Fallzahl limitiert die Generalisierbarkeit. Der Fokus auf Non-Inferiorität erlaubt keine Superioritätsaussagen. Späte TVT-Ereignisse nach POD 30 wurden nicht erfasst. Patienten mit kardiovaskulären Risiken waren ausgeschlossen, wodurch arterielle Thromboseprophylaxe nicht bewertet wurde.

Fazit

100 mg Aspirin zweimal täglich ist in der VTE-Prophylaxe nach HTEP Rivaroxaban nicht unterlegen. Aspirin bietet eine kosteneffiziente Alternative mit vergleichbarer Sicherheit. Multizentrische Studien mit größeren Kohorten sind notwendig, um diese Ergebnisse zu validieren und Aspirin in Risikopopulationen zu evaluieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001305

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