Verweildauer und stationäre Kosten der Totalen Kniearthroplastik in China: Analyse einer nationalen Datenbank
Die totale Kniearthroplastik (TKA) hat sich als entscheidende chirurgische Intervention bei fortgeschrittener Kniearthrose etabliert, um Schmerzen zu lindern und die Funktion zu verbessern. In China führt die rasche Alterung der Bevölkerung zu einem starken Anstieg der TKA-Nachfrage, doch nationale Daten zur Ressourcennutzung – insbesondere Verweildauer (LOS) und stationäre Kosten – waren bisher begrenzt. Diese Studie nutzt das Hospital Quality Monitoring System (HQMS), eine nationale Datenbank, um Trends und Determinanten von LOS und Kosten für TKA-Eingriffe zwischen 2013 und 2019 zu analysieren.
Studiendesign und Datenquelle
Die HQMS-Datenbank aggregiert Entlassungsdaten von tertiären Krankenhäusern aus allen 31 Provinzregionen Chinas. Seit 2013 werden täglich Entlassungsdaten primärer TKA-Eingriffe (ICD-9-CM-Code 81.54) erfasst. Ausgeschlossen wurden partielle oder bilaterale TKA, Notfalloperationen (z. B. Frakturen, Infektionen) und unvollständige Datensätze. Die finale Kohorte umfasste 184.363 Eingriffe [Supplementäre Abbildung 1, http://links.lww.com/CM9/B286].
Untersucht wurden demografische (Alter, Geschlecht, Familienstand), klinische (Hauptindikation, Charlson Comorbiditätsindex [CCI]) und Krankenhausmerkmale (Region, Provinzstatus, jährliche TKA-Volumina). Outcomes waren LOS (Tage von Operation bis Entlassung), präoperative Verweildauer und Kosten (Implantate, Personal, Medikation). Multivariable lineare Regressionen analysierten Zusammenhänge zwischen Variablen und Outcomes.
Trends der Verweildauer
Die mittlere LOS sank von 10,8 Tagen (2013) auf 9,3 Tage (2019); die präoperative Verweildauer verringerte sich von 4,6 auf 4,2 Tage [Abbildung 1]. Prädiktoren für verlängerte LOS umfassten:
- Patientenfaktoren: Ledigenstatus (OR: 1,02; 95%-KI: 1,01–1,02), Nicht-Osteoarthrose-Indikationen (z. B. rheumatoide Arthritis; OR: 1,05; 95%-KI: 1,05–1,06) und höhere CCI-Werte (≥3 Komorbiditäten: OR: 1,06; 95%-KI: 1,04–1,08).
- Krankenhausfaktoren: Nicht-provinzielle Krankenhäuser (OR: 1,19; 95%-KI: 1,18–1,19) und niedrige Fallzahlen (<250/Jahr: OR: 1,79; 95%-KI: 1,78–1,80). Regionale Unterschiede zeigten die kürzeste LOS im Norden/Osten (9,2–9,4 Tage) und die längste in der Süd-Zentralregion (12,8 Tage).
Stationäre Kosten und Kostentreiber
Die mittleren Gesamtkosten betrugen 61.208,3 CNY, mit einem Höchstwert 2016. Implantate dominierten (66,3 % der Kosten), sanken jedoch von 73,5 % (2013) auf 67,1 % (2019). Personalgebundene Kosten stiegen hingegen von 10,6 % auf 14,8 % [Abbildung 2A,B]. Höhere Kosten korrelierten mit:
- Patientenfaktoren: Jüngeres Alter (<60 Jahre; Trend P<0,001), weibliches Geschlecht (OR: 0,98 für Männer; 95%-KI: 0,98–0,99), Nicht-Osteoarthrose-Indikationen (OR: 1,04; 95%-KI: 1,03–1,04) und höherem CCI (≥3: OR: 1,05; 95%-KI: 1,04–1,07).
- Krankenhausfaktoren: Höchste Kosten im Nordosten (73.844,4 CNY) vs. Osten (57.890,4 CNY). Nicht-provinzielle Krankenhäuser wiesen niedrigere Kosten auf (OR: 0,86; 95%-KI: 0,86–0,87), niedrige Fallzahlen erhöhten die Kosten (OR: 1,07; 95%-KI: 1,06–1,08).
Politische und regionale Implikationen
Die LOS-Reduktion spiegelt Initiativen wie Enhanced Recovery After Surgery (ERAS, 2016 eingeführt) wider. Gleichzeitig senkten Preissenkungen für Implantate (durch zentrale Beschaffung) und Anpassungen der Personalkosten die Gesamtbelastung. Trotzdem bestanden regionale Ungleichheiten: Wohlhabende Ostprovinzen mit hohen Fallzahlen zeigten bessere Effizienz, während weniger entwickelte Regionen längere LOS und höhere Kosten aufwiesen.
Subgruppenanalysen und Validierung
Subanalysen bestätigten konsistente Trends. Provinzielle Krankenhäuser erreichten kürzere LOS (8,5 vs. 13,0 Tage) und niedrigere Kosten (63.755,2 vs. 57.358,0 CNY). Hochvolumenzentren (>500 Fälle/Jahr) reduzierten die LOS auf 5,5 Tage (vs. 12,6 Tage in Low-Volume-Zentren).
Klinisch-ökonomische Betrachtungen
Der hohe Implantatkostenanteil (66,3 %) kontrastiert mit westlichen Ländern, wo Personalkosten über 50 % ausmachen. Dies erklärt sich durch importierte Prothesen, begrenzte Preiskontrollen und Steuerstrukturen. Die zunehmende Nutzung chinesischer Implantate könnte die Kosten weiter senken. Patientenpräferenzen beeinflussten ebenfalls die Kosten: Ältere wählten günstigere Implantate, Jüngere priorisierten Haltbarkeit.
Limitierungen und zukünftige Forschung
Trotz HQMS-Robustheit sind Kodierungsungenauigkeiten und fehlende Implantatdaten limitierend. Zukünftige Studien sollten Kostenvarianzen zwischen Herstellern und Langzeitergebnisse untersuchen. Der Ausbau von Rehabilitationsdiensten könnte längere LOS aufgrund fehlender Nachsorge mildern.
Schlussfolgerung
Diese nationale Analyse zeigt Fortschritte in der TKA-Ressourcennutzung Chinas, getrieben durch politische Reformen und klinische Optimierungen. Anhaltende Ungleichheiten unterstreichen den Bedarf an gezielten Interventionen: Stärkung von Hochvolumenzentren, Ausweitung von Preiskontrollen und Abbau regionaler Disparitäten können die Effizienz und Zugänglichkeit der TKA-Versorgung weiter verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002220