Verwendung von Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptorblockern erhöht das Risiko eines postoperativen akuten Nierenversagens nach elektiver endovaskulärer abdominaler Aortenaneurysmareparatur
Die endovaskuläre abdominale Aortenaneurysmareparatur (EVAR) ist ein weit verbreitetes Verfahren zur Behandlung von abdominalen Aortenaneurysmen (AAA) aufgrund der geringeren perioperativen Morbidität und Mortalität im Vergleich zur offenen chirurgischen Reparatur (OSR). Trotz ihrer Vorteile ist die EVAR nicht ohne Risiken, darunter das akute Nierenversagen (AKI). Postoperatives AKI ist von erheblicher klinischer Relevanz, da es mit einer erhöhten Mortalität und langfristigen adversen Outcomes assoziiert ist. Diese Studie zielte darauf ab, Risikofaktoren für AKI nach elektiven EVAR-Eingriffen zu identifizieren, mit besonderem Fokus auf die Verwendung von Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmern (ACE-Hemmern) und Angiotensin-Rezeptorblockern (ARB).
Die Studie wurde als retrospektive Beobachtungsanalyse am West China Hospital der Universität Sichuan durchgeführt und umfasste Patienten, die zwischen September 2011 und März 2019 eine EVAR erhielten. Der primäre Endpunkt war das Auftreten von AKI innerhalb von zwei Tagen post-EVAR, definiert nach den Kidney Disease Improving Global Outcomes (KDIGO)-Leitlinien. Von 679 eingeschlossenen Patienten entwickelten 56 (8,2 %) ein postoperatives AKI. Die AKI-Inzidenz korrelierte mit einer niedrigeren 5-Jahres-Überlebensrate (63,5 % vs. 80,9 %), was die klinische Bedeutung dieser Komplikation unterstreicht.
Es wurden zahlreiche Variablen analysiert, darunter Demografie, Komorbiditäten, Medikation, Laborparameter, anatomische AAA-Merkmale und OP-Details. Chronische Nierenerkrankungen (CKD), ACE-Hemmer/ARB und ein kurzer Aneurysmahals („short neck“, SN) wurden als unabhängige Risikofaktoren für postoperatives AKI identifiziert. Die multivariable logistische Regressionsanalyse ergab für CKD die höchste Odds Ratio (OR 5,06), gefolgt von ACE-Hemmern/ARB (OR 2,60) und SN (OR 2,85). Subgruppenanalysen zeigten, dass der Effekt von ACE-Hemmern/ARB auf AKI konsistent über alle Untergruppen hinweg war.
Die Ergebnisse haben bedeutende klinische Implikationen. Da postoperatives AKI die Langzeitprognose verschlechtert und ACE-Hemmer/ARB der einzige modifizierbare Risikofaktor sind, sollte ein präoperatives Absetzen dieser Medikamente bei Hochrisikopatienten erwogen werden. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass ACE-Hemmer/ARB häufig zur Behandlung von Hypertonie und kardiovaskulären Erkrankungen eingesetzt werden.
Die Studie untersuchte auch andere potenzielle Risikofaktoren wie Kontrastmittelvolumen und anatomische Aneurysmaeigenschaften. Überraschenderweise zeigte das Kontrastmittelvolumen keine signifikante Assoziation mit AKI, im Gegensatz zu früheren Studien. Anatomische Faktoren wie SN und größere Aneurysmadimensionen erhöhten jedoch das AKI-Risiko, was die Bedeutung der präoperativen Evaluierung unterstreicht.
Zu den Stärken der Studie zählen die große Fallzahl und die homogene Patientenpopulation, da ausschließlich Endurant-Stentgrafts (Medtronic) verwendet wurden. Dadurch wurden Variabilitäten durch unterschiedliche Stentdesigns reduziert. Zudem beschränkte sich die Studie auf elektive EVAR, was Confounding durch Notfalloperationen vermied.
Limitationen umfassen den retrospektiven Design-bedingten Selektionsbias und die fehlende Langzeitüberwachung der Nierenfunktion. Zukünftige Studien sollten längere Nachbeobachtungszeiträume einbeziehen, um die Langzeiteffekte von AKI zu erfassen.
Zusammenfassend identifiziert diese Studie ACE-Hemmer/ARB, CKD und SN als unabhängige Risikofaktoren für postoperatives AKI nach elektiver EVAR, wobei ACE-Hemmer/ARB als einziger modifizierbarer Faktor eine Anpassung der antihypertensiven Therapie nahelegen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Optimierung des perioperativen Managements in der Gefäßchirurgie.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002352