Wasserstoffperoxid als Risikofaktor für berufsbedingte chemische Vergiftungen

Wasserstoffperoxid als Risikofaktor für berufsbedingte chemische Vergiftungen

Wasserstoffperoxid, ein starkes Oxidationsmittel, wird aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung in medizinischen und chemischen Einrichtungen breit eingesetzt. Obwohl es effektiv zur Sterilisation und Desinfektion dient, birgt es erhebliche Gesundheitsrisiken, insbesondere bei unsachgemäßer Handhabung oder Gerätedefekten. Dieser Artikel analysiert zwei Fälle von berufsbedingten Wasserstoffperoxid-Vergiftungen in China und unterstreicht die Notwendigkeit stringenten Sicherheitsmanagements am Arbeitsplatz.

Fall 1:
Ein Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses Shiquan in der Provinz Shaanxi war seit 2016 für die Sterilisation medizinischer Geräte mit einem Baixiang-PS-Niedertemperatur-Plasmasterilisator (PS) verantwortlich. Im Dezember 2018 entwickelte der Patient Symptome wie stechende Halsschmerzen, Husten und Brustenge. Am 18. Januar 2019 identifizierte ein Techniker eine mittlere Leckage im Sterilisator. Trotz defekter Absauganlagen im OP-Bereich wurde der PS weiter genutzt. Bis zum 20. Januar 2019 verschlechterte sich der Zustand des Patienten: Eine beidseitige Lungenentzündung führte zur stationären Aufnahme im Xi’an Central Hospital.

Fall 2:
Ein weiterer Mitarbeiter desselben Krankenhauses nutzte den PS seit Mai 2015 intermittierend. Im Dezember 2018 traten Symptome wie Mundtrockenheit, Halsschmerzen und Husten auf. Am 7. Dezember 2018 verursachte ein Sterilisationszyklus-Defekt einen intensiven Reizgeruch im Raum, der trotz Einwegmasken kaum erträglich war. Von Januar bis März 2019 bemerkte der Mitarbeiter weiße Rückstände an den Händen sowie Schmerzen und Brennen an den Fingern. Im März 2019 wurde bei ihm Bronchopneumonie diagnostiziert, die eine Behandlung im Kreiskrankenhaus Shiquan und im Ankang Central Hospital erforderte.

Umweltanalysen und Geräteüberprüfungen
Im Mai 2019 maß die Firma Shaanxi Lifang Environmental Protection Technology Service Co., Ltd. die Wasserstoffperoxid-Konzentration in der Sterilisationsabteilung des Krankenhauses. Die Werte lagen innerhalb der beruflichen Expositionsgrenzen. Vor der Messung wurden im OP-Bereich neue Fenster, ein Axiallüfter und eine Abluftanlage installiert sowie Gasfilter- und Schutzausrüstung bereitgestellt. Trotz anfänglich stabiler PS-Funktion (Mai 2016 bis Dezember 2018) trat am 7. Dezember 2018 ein Defekt auf. Erst nach Reparatur des Magnetventils am 13. Dezember arbeitete der Sterilisator wieder normal. Zwischen Dezember 2018 und März 2019 erfolgten 101 Sterilisationszyklen, wobei Patient 1 und 2 jeweils 15 bzw. 36 Durchläufe durchführten. Verwendet wurde eine Kartusche mit ≥58 % Wasserstoffperoxid. Die Mitarbeiter trugen lediglich Gesichtsmasken, Latexhandschuhe und Einwegmasken.

Diagnostische Bewertung
Am 16. August 2019 bestätigte die Berufskrankheiten-Diagnosestelle Ankang nach Auswertung der Expositionshistorie, Umwelttests und klinischer Befunde gemäß den „Diagnosekriterien für berufsbedingte akute toxische Atemwegserkrankungen durch Chemikalien“ (GBZ73-2009) bei beiden Patienten eine mittelschwere berufsbedingte Wasserstoffperoxid-Vergiftung.

Chemische Eigenschaften und Toxizität
Wasserstoffperoxid ist unter Normaltemperaturen instabil und zersetzt sich exotherm in Sauerstoff. Während 3 %ige Lösungen medizinisch eingesetzt werden, finden hochkonzentrierte Varianten (>10 %) industrielle Anwendung. Bereits 30 %ige Konzentrationen verursachen Gewebeschäden; 35 %iges Wasserstoffperoxid setzt innerhalb von 30 Minuten 3,5 Liter Sauerstoff frei. Inhalation hoher Konzentrationen führt zu Schleimhautreizungen, Lungenödem (innerhalb 24–72 Stunden) sowie systemischen Symptomen wie Schock und Krämpfen.

Präventionsmaßnahmen
Beide Fälle demonstrieren die Folgen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen bei Gerätedefekten und mangelhafter Belüftung. Zur Risikominimierung müssen medizinische Einrichtungen:

  1. Regelmäßige Wartung von Sterilisationsgeräten sicherstellen,
  2. Effiziente Absaugsysteme und persönliche Schutzausrüstung (inkl. Gasmasken) bereitstellen,
  3. Mitarbeiter zu Handhabung, Toxizität und Notfallmaßnahmen schulen.

Fazit
Wasserstoffperoxid bleibt ein kritisches Risiko für chemische Berufserkrankungen, insbesondere in Sterilisationsbereichen. Die geschilderten Fälle unterstreichen die Dringlichkeit technischer, organisatorischer und arbeitsmedizinischer Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Arbeitssicherheit.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001336

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *