Wechsel zwischen Eltrombopag und rekombinantem humanem Thrombopoietin bei Patienten mit immunthrombozytopenischer Purpura: Eine Beobachtungsstudie

Wechsel zwischen Eltrombopag und rekombinantem humanem Thrombopoietin bei Patienten mit immunthrombozytopenischer Purpura: Eine Beobachtungsstudie

Die immunthrombozytopenische Purpura (ITP) ist eine Autoimmunerkrankung, die mit einer niedrigen Thrombozytenzahl und einem erhöhten Blutungsrisiko einhergeht. Die Therapie der ITP hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt, wobei Thrombopoietin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RA) eine zentrale Rolle spielen. Rekombinantes humanes Thrombopoietin (rh-TPO) und Eltrombopag sind zwei TPO-RA mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Während der COVID-19-Pandemie wurde der Einsatz immunsuppressiver Medikamente aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos kontrovers diskutiert. Ein Wechsel zu einem anderen TPO-RA kann daher eine sinnvolle Option für Patienten sein, die auf den erstgewählten TPO-RA nicht ansprechen. Diese Studie untersucht die Outcomes eines Wechsels zwischen rh-TPO und Eltrombopag bei ITP-Patienten.

Hintergrund

ITP-Patienten haben ein erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der Grunderkrankung und deren Behandlung. Die COVID-19-Pandemie erschwerte das Management der ITP, da immunsuppressive Therapien mit einem höheren Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen assoziiert sind. Nicht-immunsuppressive Therapien wie TPO-RA bieten eine sichere Alternative, da sie ein Absetzen oder Reduzieren von Immunsuppressiva ermöglichen. Rh-TPO (ein rekombinantes humanes Thrombopoietin) und Eltrombopag (ein oraler, nicht-peptidischer TPO-RA) weisen unterschiedliche Wirksamkeits- und Sicherheitsprofile auf. Ein Wechsel zwischen beiden Substanzen kann bei Non-Response oder Unverträglichkeit sinnvoll sein.

Methoden

In dieser prospektiven, offenen Beobachtungsstudie wurden 96 erwachsene ITP-Patienten der Peking University People’s Hospital (China) eingeschlossen, die zwischen Januar 2020 und Januar 2021 von rh-TPO auf Eltrombopag (Eltrombopag-Gruppe) oder umgekehrt (rh-TPO-Gruppe) wechselten. Untersucht wurden Ansprechraten, Thrombozytenzahlen zu verschiedenen Zeitpunkten, Blutungsereignisse, Zeit bis zum Ansprechen, Ansprechdauer und unerwünschte Ereignisse. Die Gründe für den Wechsel wurden in mangelnde Wirksamkeit und nicht-wirksamkeitsbezogene Gründe (z. B. Patientenpräferenz, Thrombozytenschwankungen, Nebenwirkungen) kategorisiert. Thrombozytenschwankungen wurden als >2 wöchentliche Thrombozytenzahlen <30 × 10⁹/L oder >400 × 10⁹/L pro Monat oder Änderungen >200 × 10⁹/L definiert. Die Nachbeobachtungszeit betrug mindestens sechs Monate. Thrombozytenzahlen wurden wöchentlich (unter stabiler Dosis) bzw. monatlich (nach Stabilisierung) kontrolliert. Leberfunktionstests erfolgten monatlich bzw. zweiwöchentlich bei Dosisanpassung.

Ergebnisse

Sechs Wochen nach dem Wechsel zeigten 21/49 Patienten (43 %) der Non-Response-Gruppe und 34/47 (72 %) der nicht-wirksamkeitsbezogenen Gruppe ein Ansprechen. In der Non-Response-Gruppe sprachen 9/27 (33 %) auf Eltrombopag und 12/22 (55 %) auf rh-TPO an. In der nicht-wirksamkeitsbezogenen Gruppe betrugen die Ansprechraten 81 % (21/26) unter Eltrombopag und 62 % (13/21) unter rh-TPO. Nach sechs Monaten lag die Ansprechrate in der Non-Response-Gruppe bei 49 % (24/49) und in der nicht-wirksamkeitsbezogenen Gruppe bei 79 % (37/47). Innerhalb der Subgruppen sprachen 48 % (13/27) auf Eltrombopag und 50 % (11/22) auf rh-TPO an. Die Thrombozytenzahlen stiegen in beiden Gruppen signifikant an, ohne Unterschiede im Zeitverlauf. Blutungsereignisse nahmen nach dem Wechsel ab. Alle unerwünschten Ereignisse waren Grad 1–2. Die Nebenwirkungsrate lag bei 18 % (10/56) für Eltrombopag (v. a. Hepatotoxizität) und 14 % (7/50) für rh-TPO (v. a. Schwindel, Injektionsstellenreaktionen). Kein Patient entwickelte schwere Nebenwirkungen oder eine COVID-19-Infektion.

Diskussion

Der Wechsel zwischen rh-TPO und Eltrombopag ist eine sichere und wirksame Strategie für ITP-Patienten mit Non-Response oder Unverträglichkeit. Bei nicht-wirksamkeitsbezogenen Gründen waren die Ansprechraten besonders hoch. Die Ergebnisse bestätigen frühere Berichte zur sequenziellen TPO-RA-Therapie. Limitationen sind das einzelzentrische Design und die heterogene Patientenpopulation. Weitere Studien mit größeren Fallzahlen sind erforderlich.

Fazit

Ein TPO-RA-Wechsel bietet insbesondere bei nicht-wirksamkeitsbezogenen Gründen eine valide Therapieoption. Die Studie unterstreicht die Bedeutung individualisierter Behandlungsstrategien unter Abwägung von Blutungsrisiko und SARS-CoV-2-Exposition während der Pandemie.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000002346

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