Wirkung eines 5%igen Glykolsäure-Komplexes und 20%iger Glykolsäure auf leichte bis mittelschwere Acne vulgaris im Gesicht
Acne vulgaris ist eine chronische, entzündliche und entstellende Hauterkrankung, die durch Läsionen, postinflammatorische Hyperpigmentierung und Narbenbildung gekennzeichnet ist. Sie betrifft Personen verschiedener Altersgruppen, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene. Chemische Peelings haben sich als einfache und gut verträgliche Methode zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Akne etabliert. Glykolsäure (GA) wird aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit und geringen Molekülgröße häufig eingesetzt, da sie effektiv in die Haut penetrieren kann. Hochkonzentrierte GA (20–70%), in klinischen Settings alle 2–4 Wochen appliziert, zeigen nachweislich Wirksamkeit. Niedrigkonzentrierte GA (≤10%) gelten hingegen als sicher für die Heimanwendung. Unterschiede in der Effektivität zwischen niedrigen und hohen GA-Konzentrationen bei Acne vulgaris wurden jedoch kaum untersucht. Diese Studie verglich die Wirksamkeit und Sicherheit von 5%igem GA-Komplex und 20%iger GA bei der Behandlung leichter bis mittelschwerer Acne vulgaris im Gesicht.
In einer randomisierten kontrollierten klinischen Studie wurden 80 Aknepatienten vom 1. März bis 31. Mai 2019 untersucht. Einschlusskriterien: leichte/mittelschwere Akne (Pillsbury Grad I–III), Fitzpatrick-Hauttypen IV–VI, Alter ≥18 Jahre, keine topische/systemische Behandlung im letzten Monat. Ausschlusskriterien: aktive Herpesinfektion, hypertrophe Narben/Keloid, Einnahme von Isotretinoin, Steroiden oder Immunsuppressiva in den letzten 6 Monaten, sensible/lichtempfindliche Haut, Schwangerschaft, Menstruationsstörungen, PCOS oder fehlende Einwilligung.
Die Patienten wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe A erhielt täglich einen 5%igen GA-Komplex (Cosmocos, Korea), bestehend aus Alpha-Hydroxysäure-Peel und regenerativen Essenzen (Natriumhydroxid, Allantoin, Trehalose, Portulaca oleracea-Extrakt). Gruppe B unterzog sich vier Sitzungen mit 20%iger GA (NeoStrata, NJ, USA) im Abstand von zwei Wochen. Die Nachbeobachtung erfolgte 70 Tage nach Therapiebeginn. Hautläsionen, Patientenzufriedenheit (visuelle Analogskala 1–4), Nebenwirkungen sowie Hautrejuvenationsparameter (Falten, Poren, Rötungen, Pigmentierung) und physiologische Parameter (transepidermaler Wasserverlust [TEWL], Hydratation) wurden mittels VISIA-System (Canfield Imaging Systems, NJ, USA) und CK Multi-Probe Adapter (MPA580, Courage-Khazaka, Köln, Deutschland) erfasst. Der Laktatstacheltest (LAST) bewertete die Hautsensibilität.
Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS 23.0 (IBM Corp, Armonk, NY, USA). Kategorische Daten wurden mittels Chi-Quadrat-Test analysiert, kontinuierliche Daten bei Normalverteilung mit t-Tests bzw. nichtparametrischen Tests. Ein p-Wert <0,05 galt als signifikant.
Beide Gruppen zeigten signifikante Verbesserungen der Läsionsanzahl, des Schweregradindexes und der Pigmentierung (p <0,05). Die 5%ige GA-Gruppe verzeichnete eine signifikant höhere Hydratation (p = 0,003) und Reduktion entzündlicher Läsionen (p <0,001) sowie eine höhere Patientenzufriedenheit (p = 0,01). Die 20%ige GA-Gruppe wies stärkere Porenreduktion (p = 0,03) und höheren TEWL-Anstieg auf (p = 0,02). Nebenwirkungen traten bei 5 Patienten (5% GA) und 8 Patienten (20% GA) auf, ohne signifikanten Unterschied (p = 0,27). LAST-Ergebnisse zeigten eine verlängerte Toleranzdauer in beiden Gruppen (p <0,05).
Die Studie deutet darauf hin, dass 20%ige GA stärker kollagenremodellierend wirkt und bei Porenvergrößerung vorteilhaft ist, während der 5%ige GA-Komplex durch antiinflammatorische und barrierestabilisierende Eigenschaften entzündliche Läsionen effektiver reduziert. Die Auswahl der GA-Konzentration sollte individuell an Patientenbedürfnisse angepasst werden.
Einschränkungen: Fehlende Kontrollgruppe mit standardisierter Basispflege und Single-Center-Design. Weitere multizentrische Studien sind erforderlich, um die Generalisierbarkeit zu validieren.
Schlussfolgerung: Beide GA-Konzentrationen sind effektiv in der Aknetherapie. 20%ige GA eignet sich bei Porenvergrößerung, der 5%ige GA-Komplex bei entzündlicher Akne und gestörter Barrierefunktion. Kliniker sollten die Konzentration anhand der Patientenpräferenzen und Hautbedürfnisse auswählen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002287