Zeitliche Trends in Diagnose, Behandlung und Ergebnissen bei NSTE – ACS in China

Zeitliche Trends in Diagnose, Behandlung und Ergebnissen bei Nicht-ST-Hebungs-Akutem-Koronarsyndrom in drei Regionen Chinas, 2008–2015

Akute Koronarsyndrome (ACS) zählen in China zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität und sind ein zentraler Forschungsgegenstand, um die Auswirkungen von Gesundheitsreformen auf die Qualität, Sicherheit und Effizienz der medizinischen Versorgung zu bewerten. ACS umfasst ein Krankheitsspektrum, das den ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI), die instabile Angina pectoris (UA) und den Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) einschließt. Nicht-ST-Hebungs-Akute-Koronarsyndrome (NSTE-ACS), zu denen NSTEMI und UA gehören, machen etwa zwei Drittel aller ACS-Fälle aus. Aufgrund der heterogenen Krankheitsschwere bei NSTE-ACS-Patienten ist ein risikostratifiziertes Management entscheidend, um Ressourcen gezielt einzusetzen – insbesondere in ressourcenbeschränkten Settings wie China.

Diese Studie analysierte zeitliche Trends in Diagnose, Behandlung und klinischen Ergebnissen bei hospitalisierten NSTE-ACS-Patienten in drei chinesischen Regionen (Peking, Henan, Jilin) zwischen 2008 und 2015. Mittels retrospektiver Krankenaktenanalyse wurden Daten von 38 Krankenhäusern (24 tertiäre, 14 sekundäre) ausgewertet. Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten (Alter ≥18 Jahre) mit Entlassungsdiagnose NSTEMI oder UA. Ausgeschlossen wurden Patienten, die innerhalb von 10 Minuten nach Krankenhausaufnahme verstarben, sich selbst entließen, aus anderen Krankenhäusern verlegt wurden oder nicht ortsansässig waren. Die Ethikkommissionen der beteiligten Institutionen genehmigten die Studie unter Verzicht auf informierte Einwilligung aufgrund des retrospektiven Designs.

Primäre Endpunkte waren klinische In-Hospital-Ereignisse, zusammengefasst als Major Adverse Cardiovascular Events (MACE: Gesamtmortalität, rezidivierender nicht-tödlicher Myokardinfarkt [MI], nicht-tödlicher Schlaganfall, Herzinsuffizienz [HF], Major-Blutung). MI und Schlaganfall wurden gemäß der Dokumentation des behandelnden Arztes definiert. HF umfasste akutes Lungenödem, kardiogenen Schock oder klinische Entlassungsdiagnose. Major-Blutung wurde als Hämoglobinabfall ≥2 g/dL, Transfusionsbedarf, interventionelle/surgical Maßnahmen oder intrakranielle Blutung mit bleibender Dysfunktion definiert.

Zeitliche Trends in Diagnostik, Therapie und MACE wurden mittels generalisiertem linearem gemischtem Modell (GLMM) analysiert, adjustiert für Patienten- und Krankenhausmerkmale (Aufnahmejahr, Alter, Geschlecht, Versicherungsstatus, Krankenhauslevel, Vorgeschichte von PCI/CABG, Diabetes mellitus, systolischer Blutdruck <100 mmHg, Herzfrequenz >100/min, eGFR <60 mL/min/1,73 m²). Der GRACE-Risikoscore kategorisierte Patienten in Hochrisiko (Score >140) und intermediär/niedriges Risiko (Score ≤140). Unterschiede zwischen Risikogruppen wurden mittels Interaktionsterm (Aufnahmejahr × GRACE-Gruppe) geprüft.

Von 14.729 Aufnahmen wurden 13.759 NSTE-ACS-Patienten eingeschlossen. Der Anteil der NSTEMI-Diagnosen stieg von 14 % (2008) auf 19 % (2015), begleitet von höherem sozioökonomischem Status und vermehrten Komorbiditäten (MI-, PCI/CABG-, Diabetes-, Schlaganfall/TIA-, Dyslipidämie-Anamnese). Die Prävalenz der Niereninsuffizienz (eGFR <60 mL/min/1,73 m²) sank von 7,2 % auf 5,5 %.

In der Diagnostik nahmen Troponin-Tests (42,8 % → 77,6 %) und Koronarangiographie (34,8 % → 52,5 %) zu, CK-MB-Tests (66,7 % → 75,6 %) und Stressuntersuchungen (v. a. bei Niedrigrisikopatienten: 4,5 % → 2,4 %) ab. Therapieseitig stieg die Anwendung dualer Plättchenhemmung (56,4 % → 76,9 %), Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitoren (3,0 % → 8,3 %) und Statine (73,4 % → 92,7 %). Die PCI-Rate erhöhte sich von 21,2 % auf 26,2 %, zeigte jedoch nach Adjustierung keinen signifikanten Trend. Die ACEI/ARB-Verordnung sank von 60,3 % auf 50,8 %; Betablocker blieben stabil (~68 %).

Hochrisikopatienten erhielten häufiger duale Plättchenhemmung und Glykoprotein-Inhibitoren, jedoch seltener PCI als Niedrigrisikopatienten. Statine, ACEI/ARB und Betablocker wurden in beiden Gruppen ähnlich häufig eingesetzt. Die adjustierte MACE-Rate sank insgesamt, vorrangig durch Rückgang der Herzinsuffizienz bei Hochrisikopatienten (9,1 % → 5,4 %), während sie in der Niedrigrisikogruppe leicht anstieg (1,6 % → 2,7 %).

Trotz verbesserter Diagnostik und Therapie zeigt die Studie erhebliche Optimierungspotenziale im NSTE-ACS-Management auf, insbesondere bei evidenzbasierten Medikamenten und risikoadaptierter PCI-Nutzung. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Qualitätsmonitoring, Leitlinienadhärenz und Ressourceneffizienz weiter zu stärken.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001664

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