Zusammenhang zwischen BMI und IVF/ICSI-Ergebnissen bei chinesischen Frauen

Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index und den Ergebnissen von In-vitro-Fertilisation/intrazytoplasmatischer Spermieninjektion: Eine Analyse von 15.124 normalen Ovarrespondern in China

Einleitung
Übergewicht und Adipositas, definiert als abnorme oder übermäßige Fettansammlung anhand des Body-Mass-Index (BMI), stellen weltweit und auch in China ein bedeutendes gesundheitliches Problem dar. Die Prävalenz von Adipositas hat sich in China zwischen 2004 und 2018 mehr als verdoppelt. Ein hoher BMI ist mit reduzierter Fertilität, Menstruationsunregelmäßigkeiten, Anovulation und schlechteren Ergebnissen bei assistierten Reproduktionstechnologien (ART) wie In-vitro-Fertilisation (IVF) und intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) verbunden. Bisherige Studien zu BMI und IVF/ICSI-Ergebnissen konzentrierten sich hauptsächlich auf westliche Populationen, während Daten aus asiatischen Kohorten begrenzt sind. Asiatische Personen weisen bereits bei niedrigeren BMI-Werten höhere Körperfettanteile und metabolische Risiken auf als Europäer, was populationsspezifische Untersuchungen erfordert.

Diese Studie evaluiert den Einfluss des BMI auf IVF/ICSI-Ergebnisse bei chinesischen Frauen mit normaler Ovarreaktion (5–15 gewonnene Oozyten). Durch den Fokus auf diese Untergruppe wird die Heterogenität der Ovarreduktion minimiert, die bei adipösen Patientinnen variieren kann.

Methoden
Studiendesign und Population
In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden 15.124 frische Embryotransferzyklen (ET) an der Peking University Third Hospital (2017–2018) analysiert, mit Nachverfolgung aufgetauter Embryotransferzyklen (FET) bis 2020. Ausschlusskriterien umfassten In-vitro-Maturation, natürliche/milde Stimulationsprotokolle, Chromosomenanomalien, Fertilitätserhalt und fehlende Daten.

BMI-Klassifikation
Gemäß chinesischer Richtlinien: Untergewicht (BMI <18,5 kg/m²), Normalgewicht (18,5–23,9 kg/m²), Übergewicht (24,0–27,9 kg/m²), Adipositas (≥28,0 kg/m²).

Endpunkte
Primärer Endpunkt: kumulative Lebendgeburtenrate (CLBR). Sekundäre Endpunkte: positiver Schwangerschaftstest, klinische Schwangerschaft, Lebendgeburt, Kaiserschnitt, Frühgeburt und neonatale Gewichtsergebnisse (SGA/LGA).

Statistische Analyse
Multivariable logistische Regression adjustiert für Alter, Infertilitätstyp, ovarielle Reserveparameter (antral follicle count [AFC], Anti-Müller-Hormon [AMH]), PCOS-Diagnose, Endometriumfaktoren und Protokolle. Ein generalisiertes additives Modell (GAM) visualisierte nichtlineare Zusammenhänge zwischen BMI und Ergebnissen. Entscheidungsbaumanalysen identifizierten Subgruppen mit stärkstem BMI-Einfluss.

Ergebnisse
Basischarakteristika
Von 15.124 Frauen waren 60,3 % normalgewichtig, 23,3 % übergewichtig, 9,1 % adipös und 7,2 % untergewichtig. Adipöse Frauen waren jünger (Medianalter 32 vs. 33 Jahre), hatten höhere AFC-Werte (12 vs. 9), aber längere Infertilitätsdauer (4 vs. 3 Jahre), höhere Androgenspiegel und häufiger PCOS (24,1 % vs. 6,6 %) als Normalgewichtige.

Frische ET-Ergebnisse
Adipositas korrelierte mit niedrigeren klinischen Schwangerschaftsraten (adjustierte Odds Ratio [aOR]: 0,844), Lebendgeburten (aOR: 0,753) sowie höheren Abortraten (aOR: 1,443), Frühgeburten (aOR: 1,690), Kaiserschnitten (aOR: 2,074) und LGA-Raten (aOR: 2,260). Übergewicht zeigte ähnliche, aber abgeschwächte Effekte.

FET-Ergebnisse
Adipöse Frauen hatten reduzierte klinische Schwangerschafts- (aOR: 0,662) und Lebendgeburtenraten (aOR: 0,643) sowie erhöhte Kaiserschnitt- (aOR: 4,158) und LGA-Raten (aOR: 2,661). Bei Übergewichtigen waren FET-Ergebnisse nicht signifikant unterschiedlich.

Kumulative Ergebnisse
Die CLBR sank progressiv mit steigendem BMI: 48,5 % (Untergewicht), 45,3 % (Normalgewicht), 42,7 % (Übergewicht), 40,3 % (Adipositas). Adipositas reduzierte kumulative Schwangerschafts- (aOR: 0,809), klinische Schwangerschafts- (aOR: 0,766) und Lebendgeburtenraten (aOR: 0,706) und erhöhte Frühgeburten- (aOR: 1,677), Kaiserschnitt- (aOR: 2,066) und LGA-Raten (aOR: 2,273).

Generalisierte additive Modelle
GAM zeigte einen nichtlinearen CLBR-Abfall ab BMI >24 kg/m², was einen Ziel-BMI ≤24 kg/m² nahelegt.

Entscheidungsbaumanalyse
BMI beeinflusste Ergebnisse besonders bei Frauen ≤34,5 Jahren mit AMH >1,395 ng/mL im ersten IVF/ICSI-Versuch (42 % der Kohorte). In dieser Subgruppe betrug die CLBR 59,8 % bei BMI <23,05 kg/m² vs. 52,0 % bei BMI ≥23,05 kg/m².

Diskussion
Pathomechanismen
Der negative BMI-Einfluss auf IVF/ICSI-Ergebnisse unabhängig von der Ovarreaktion deutet auf eine gestörte endometriale Rezeptivität hin. Metabolische Dysregulation bei Adipositas könnte die Implantation beeinträchtigen. Vergleichbare Embryotransferzahlen unterstützen endometrialen Dysfunktion als Hauptmechanismus.

Klinische Implikationen
Gewichtsreduktion auf BMI ≤24 kg/m² wird für junge Frauen mit guter Prognose (Alter ≤34,5 Jahre, AMH >1,395 ng/mL, erste IVF) empfohlen. Bei älteren Frauen oder reduzierter ovarieller Reserve sollte ART priorisiert werden, um altersbedingte Fertilitätseinbußen zu vermeiden.

Limitationen
Retrospektives Design limitiert Kausalitätsbeurteilung. Einmalige BMI-Messung erlaubte keine Gewichtsverlaufsanalyse. Fehlende Daten zu Taillen-Hüft-Verhältnis, metabolischen Markern und Lifestyle-Faktoren.

Zusammenfassung
Bei chinesischen Frauen mit normaler Ovarreaktion reduziert Adipositas die IVF/ICSI-Erfolgschancen, insbesondere die CLBR, und erhöht geburtshilfliche Risiken. Individuelles Gewichtsmanagement für junge Patientinnen mit guter Prognose kann die Ergebnisse optimieren, während ältere Frauen unverzüglich ART erhalten sollten. Zukünftige Forschung sollte Interventionen zur Verbesserung endometrialer Funktion bei Adipositas untersuchen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002992

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