Zusammenhang zwischen dem Prolaktin/Testosteron-Verhältnis und Brustkrebs bei chinesischen Frauen

Zusammenhang zwischen dem Prolaktin/Testosteron-Verhältnis und Brustkrebs bei chinesischen Frauen

Brustkrebs ist weltweit einer der häufigsten bösartigen Tumoren und die zweithäufigste Todesursache unter krebsbedingten Erkrankungen. Die Brust ist ein Zielorgan für verschiedene endokrine Hormone, die ihr Wachstum und ihre Entwicklung regulieren. Während die Rollen von Östrogen und Progesteron bei Brustkrebs bereits umfassend untersucht wurden, rückt die Beziehung zwischen Prolaktin, Testosteron und Brustkrebs zunehmend in den Fokus. Diese Studie zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen dem Prolaktin/Testosteron-(PRL/T)-Verhältnis und Brustkrebs bei chinesischen Frauen zu untersuchen, um die potenzielle Rolle dieser Hormone beim Brustkrebsrisiko zu beleuchten.

Hintergrund und Rationale

Prolaktin ist ein Hormon, das an Prolaktinrezeptoren (PRLRs) bindet und eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Umgestaltung der Mammadrüsen spielt. Einige Studien deuten darauf hin, dass hohe Prolaktinspiegel das Brustkrebsrisiko erhöhen könnten, doch der klinische Zusammenhang zwischen Hyperprolaktinämie und Brustkrebs bleibt umstritten. Trotz Therapien zur Prolaktinblockade entwickeln einige Patientinnen weiterhin Brustkrebs, was auf andere Einflussfaktoren hindeutet.

Testosteron, ein biologisch aktives Hormon, wirkt über die Bindung an den Androgenrezeptor (AR) auf verschiedene weibliche Organe, einschließlich der Brust. Tiermodelle legen nahe, dass Testosteron als endogener Schutzfaktor der Brust fungieren könnte. Der Zusammenhang zwischen Gesamttestosteronspiegeln und Brustkrebs ist jedoch unklar. Im Gegensatz zu zyklusabhängigen Hormonen wie Östrogen, luteinisierendem Hormon (LH), follikelstimulierendem Hormon (FSH) und Progesteron bleiben Prolaktin und Testosteron relativ stabil. Diese Stabilität macht das PRL/T-Verhältnis zu einem potenziell nützlichen Indikator für die Brustkrebsrisikobewertung.

Studiendesign und Methodik

Das Studienprotokoll wurde von der Ethikkommission des Qilu-Krankenhauses der Shandong-Universität genehmigt. Alle Teilnehmerinnen gaben eine schriftliche Einverständniserklärung ab. In diese Querschnittsstudie wurden 1461 präoperative Patientinnen mit Brusterkrankungen (maligne und benigne) aus der Brustchirurgie-Abteilung des Qilu-Krankenhauses zwischen Januar 2019 und Dezember 2020 eingeschlossen. Einschlusskriterien: Alter 13–90 Jahre, pathologische Diagnose nach Brustoperation, keine Medikation gegen Hyperprolaktinämie im Vormonat, keine Testosterontherapie. Nach Ausschluss von Teilnehmerinnen mit fehlenden Hormondaten verblieben 1340 Probandinnen.

Die Postmenopause wurde definiert als mindestens ein Jahr seit der letzten Menstruation, einschließlich ovariektomierter oder hormonell supprimierter Patientinnen.

Nüchternblutproben wurden am Aufnahmemorgen entnommen. Die Serumspiegel von Prolaktin, FSH, LH, Estradiol, Progesteron und Testosteron wurden mit einem Roche Cobas e601-Analyzer gemessen. Der Body-Mass-Index (BMI) wurde als Gewicht (kg)/Größe (m²) berechnet. Das PRL/T-Verhältnis wurde als Prolaktin (ng/mL) geteilt durch Testosteron (ng/dL) definiert.

Statistische Analyse

Die Analysen erfolgten mit R und Empower. Kontinuierliche Variablen wurden als Median (Interquartilbereich), kategorische Variablen als Häufigkeiten beschrieben. Gruppenunterschiede wurden mit dem Kruskal-Wallis-Rangsummentest (kontinuierlich) und Pearson-Chi-Quadrat-Test (kategorisch) geprüft.

Drei logistische Regressionsmodelle untersuchten den Zusammenhang zwischen PRL/T-Verhältnis und Brustkrebs: Modell 0 (unadjustiert), Modell 1 (altersadjustiert), Modell 2 (adjustiert für Alter, BMI, Familienstand). Glättungskurven visualisierten Trends zwischen PRL/T-Verhältnis, Hormonspiegeln und Brustkrebswahrscheinlichkeit. Stratifizierte Analysen bewerteten Subgruppenzusammenhänge.

Ergebnisse

Teilnehmerinnencharakteristika

Postmenopausale Frauen waren älter, hatten höheren BMI, FSH-, LH-Spiegel sowie häufiger maligne Tumoren. Prämenopausale Frauen zeigten höhere Prolaktin-, Progesteron-, Estradiol-, Testosteronspiegel und PRL/T-Verhältnisse.

Univariate und multivariate Analyse

In univariaten Analysen korrelierte Alter positiv mit Brustkrebs (prä- und postmenopausal). BMI wies bei Prämenopausalen eine tendenzielle positive Assoziation auf. Odds Ratios (OR) für Prolaktin, FSH, LH, Estradiol und Testosteron lagen nahe 1,00 (keine Signifikanz). Progesteron zeigte bei Postmenopausalen höhere OR.

In multivariaten Modellen war das PRL/T-Verhältnis bei Prämenopausalen positiv mit Brustkrebs assoziiert (nicht signifikant). Bei Postmenopausalen schwächerer, ebenfalls insignifikanter Zusammenhang.

Glättungskurvenanalyse

Bei Prämenopausalen zeigte sich ein linearer Trend zwischen PRL/T-Verhältnis und Brustkrebswahrscheinlichkeit. Postmenopausal bestand eine U-förmige nichtlineare Beziehung. Prolaktin wies postmenopausal einen nichtlinearen Anstieg auf. Testosteron zeigte prämenopausal U-förmigen, postmenopausal ansteigenden Trend.

Stratifizierte Analyse

Das PRL/T-Verhältnis korrelierte bei prämenopausalen Frauen (18–50 Jahre, normaler BMI 18,5–24,0 kg/m², niedriges Prolaktin) positiv mit Brustkrebs (nicht signifikant). Postmenopausal stieg die OR mit höherem Testosteron und BMI (nicht signifikant). Keine signifikanten Interaktionen zwischen Alter, BMI, Hormonspiegeln und PRL/T-Verhältnis.

Diskussion

Frühere Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Hyperprolaktinämie und fibroepithelialen Tumoren. Erhöhte Prolaktinspiegel korrelieren epidemiologisch mit östrogenrezeptorpositivem (ER+) Brustkrebs. Testosteron könnte einerseits protektiv wirken, andererseits über Östrogenkonversion ER+-Tumoren fördern. Die widersprüchliche Datenlage unterstreicht die Komplexität hormoneller Interaktionen.

Die lineare Assoziation des PRL/T-Verhältnisses mit Brustkrebs bei Prämenopausalen – trotz fehlender Signifikanz – könnte klinisch relevant sein. Das Verhältnis könnte als kombinierter Indikator die Einzeleffekte der Hormone ausbalancieren und die Risikostratifikation verbessern.

Limitationen

Die Ergebnisse sind nicht auf die gesamte chinesische Bevölkerung generalisierbar. Der Querschnittsansatz erlaubt keine Kausalitätsaussagen. Da Prolaktin und Testosteron eng mit anderen Sexualhormonen interagieren, sind weitere Analysen zu Rezeptorsubtypen erforderlich.

Fazit

Die Studie deutet auf eine positive Korrelation zwischen PRL/T-Verhältnis und Brustkrebs hin, insbesondere bei prämenopausalen Frauen. Obwohl statistisch nicht signifikant, könnte das Verhältnis als Screeninginstrument dienen und die Risikovorhersage optimieren. Weitere Forschung ist notwendig, um die Mechanismen zu klären und die Befunde zu validieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002942

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