Zusammenhang zwischen Schilddrüsenhormonen und dem metabolischen Syndrom in einer Bevölkerung mit normaler Schilddrüsenfunktion in Westchina: Eine Querschnittsstudie basierend auf epidemiologischer und genetischer Analyse
Das metabolische Syndrom (MetS) umfasst eine Gruppe metabolischer Störungen wie abdominale Adipositas, Hyperglykämie, Hypertonie und Dyslipidämie. Schilddrüsenhormone, die für die zelluläre Energiehomöostase entscheidend sind, wurden intensiv im Zusammenhang mit MetS untersucht. Die Ergebnisse waren jedoch widersprüchlich: Einige Studien fanden eine positive Assoziation zwischen Thyrotropin (TSH) und MetS, andere nicht. Auch für freies Thyroxin (FT4) wurden sowohl inverse als auch positive Zusammenhänge mit metabolischen Parametern berichtet. Diese Diskrepanzen könnten auf Unterschiede in Studiendesign, Populationen und Methoden zurückzuführen sein. Diese Studie untersuchte den Zusammenhang und die kausale Beziehung zwischen Schilddrüsenhormonen und MetS in einer euthyreoten Bevölkerung Westchinas mittels epidemiologischer und Mendelscher Randomisierungsanalysen.
Studiendesign und Population
Die Querschnittsstudie wurde in der Provinz Shaanxi im Rahmen der China National Diabetes and Metabolic Disorders Study (CNDMDS) von Juni 2007 bis Mai 2008 durchgeführt. Die Ethikkommission des Xijing Hospitals genehmigte die Studie. Von 394 ausgeschlossenen Personen (u.a. bei Schilddrüsenfunktionsstörungen, Alter <20 Jahre, Diabetesmedikation oder unvollständigen Daten) verblieben 2903 Teilnehmer (1190 Männer) mit normaler Schilddrüsenfunktion.
Datenerhebung und Messungen
Demografische Daten, Lebensstilfaktoren und Krankengeschichte wurden standardisiert erhoben. Messungen umfassten Körpergewicht, BMI, Taillenumfang, Blutdruck, Nüchternblutzucker, Insulin, HOMA-IR sowie die Fläche unter der Kurve (AUC) für Glukose (AUCglu) und Insulin (AUCins). TSH, FT4 und FT3 wurden mittels Elektrochemilumineszenz-Immunoassays bestimmt. SNPs für TSH (NR3C2 rs10032216, PDE10A rs753760, CAPZB rs10799824, PDE8B rs2046045) und FT3/FT4 (DIO1 rs2235544) wurden mittels Sequenom MassARRAY RS1000 genotypisiert.
Statistische Analyse
Kontinuierliche Variablen wurden mit dem t-Test, kategorische mit dem Chi-Quadrat-Test verglichen. Lineare Regressionsanalysen untersuchten Korrelationen zwischen Hormonen und metabolischen Parametern. Logistische Regression identifizierte SNPs im Zusammenhang mit MetS. Mendelsche Randomisierung erfolgte mittels invers-varianzgewichteter Methode.
Ergebnisse
Demografische und metabolische Unterschiede
Frauen wiesen höhere Körperfettanteile, Herzfrequenz, TSH- und HDL-C-Spiegel auf, während andere Parameter niedriger lagen als bei Männern.
Korrelationen zwischen Hormonen und metabolischen Parametern
Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Rauchen und Alkoholkonsum zeigten FT3, FT4 und log-TSH negative Korrelationen mit HDL-C. FT3 und FT4 korrelierten positiv mit BMI, Taillenumfang, systolischem Blutdruck (SBP) und Glukoseparametern, TSH negativ mit Glukoseparametern. Das FT3/FT4-Verhältnis korrelierte negativ mit den meisten metabolischen Parametern.
MetS-Inzidenz und Schilddrüsenhormone
Die MetS-Inzidenz korrelierte positiv mit FT3 und TSH, jedoch negativ mit dem FT3/FT4-Verhältnis. SNPs rs10799824 G-G, rs10799824 G-A, rs2235544 C-C und rs2235544 C-A waren unabhängig mit MetS assoziiert. Nur rs2235544 C-C zeigte eine unabhängige Beziehung zu FT3/FT4.
Mendelsche Randomisierung
Die Analyse bestätigte eine kausale Beziehung zwischen dem FT3/FT4-Verhältnis und MetS. Die Regressionskoeffizienten von rs2235544 C-C mit MetS und FT3/FT4 deuteten auf einen kausalen Effekt des Hormonverhältnisses hin.
Genetische Assoziationen
FT4 war bei C/A- und A/A-Genotypen von rs2235544 höher als bei C/C, während das FT3/FT4-Verhältnis niedriger lag. Träger von C/A- oder A/A-Genotypen hatten eine höhere MetS-Prävalenz. Im Kodominanzmodell erhöhten C/A und A/A das MetS-Risiko um das 1,46- bzw. 1,40-Fache, im Dominanzmodell um das 1,44-Fache. Dies unterstützt die negative Korrelation zwischen FT3/FT4 und MetS-Risiko.
Diskussion
Die Studie zeigt eine negative Assoziation zwischen FT3/FT4 und MetS in einer euthyreoten chinesischen Population. Die Ergebnisse decken sich mit koreanischen Studien, unterstreichen aber die Bedeutung populationsspezifischer genetischer Unterschiede. Die Kombination genetischer und Mendelscher Analysen lieferte robuste Hinweise auf eine kausale Beziehung. Das Gleichgewicht von FT3 und FT4 scheint für die metabolische Gesundheit entscheidender als bisher angenommen.
Fazit
Das FT3/FT4-Verhältnis ist in einer euthyreoten Bevölkerung Westchinas negativ mit MetS assoziiert. Genetische Analysen und Mendelsche Randomisierung unterstützen einen kausalen Zusammenhang. Diese Erkenntnisse tragen zum Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Schilddrüsenfunktion und metabolischem Syndrom bei und betonen die Notwendigkeit weiterer Forschung in diversen Populationen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001553