Association of Serum Uric Acid with Thyroid Function in Health Check-up Participants
Zusammenhang zwischen Serumharnsäure und Schilddrüsenfunktion bei Teilnehmern von Gesundheitsuntersuchungen
Schilddrüsenhormone (TH) spielen eine zentrale Rolle in physiologischen Prozessen wie Entwicklung, Wachstum, Stoffwechsel und Reproduktion. Aktuell rücken sie aufgrund ihres Zusammenhangs mit metabolischen Erkrankungen in den Fokus, da sie den Energiestoffwechsel stimulieren. Forschungsergebnisse deuten auf eine Beteiligung von TH an Glukoseoxidation, oxidativer Phosphorylierung und Fettabbau hin. Zudem werden TH-Mimetika als Therapieoption bei Diabetes und Adipositas diskutiert. Die populationsbasierte Verteilung von Schilddrüsendysfunktionen ist klinisch relevant, da diese mit kardiovaskulären Erkrankungen, Hypercholesterinämie, Osteoporose und neuropsychiatrischen Störungen assoziiert sind. Während die metabolischen Auswirkungen von Schilddrüsendysfunktionen gut dokumentiert sind, bleibt der Zusammenhang zwischen TH-Spiegeln und Hyperurikämierisiko bei euthyreoten Personen unklar.
Harnsäure (UA), das Endprodukt des Purinstoffwechsels, zeigt sowohl prooxidative als auch antioxidative Eigenschaften. Obwohl UA nicht direkt am Metabolischen Syndrom beteiligt ist, korrelieren erhöhte Serum-UA-Spiegel häufig mit metabolischen Störungen und gelten als unabhängiger Prädiktor für das Metabolische Syndrom. Diese Beobachtung legt eine mögliche Interaktion zwischen UA und Schilddrüsenfunktion nahe. Bisherige Studien untersuchten diesen Zusammenhang hauptsächlich bei manifester Schilddrüsendysfunktion. Die vorliegende Querschnittsstudie analysierte daher die Assoziation zwischen Serum-UA und Schilddrüsenparametern bei 1.186 gesunden chinesischen Erwachsenen (736 Männer, 450 Frauen) aus Shanghai.
Die Teilnehmer wurden nach UA-Werten stratifiziert: Männer/postmenopausale Frauen in MG1 (UA <5 mg/dl), MG2 (5–7 mg/dl), MG3 (≥7 mg/dl); prämenopausale Frauen in FG1 (UA <4 mg/dl), FG2 (4–6 mg/dl), FG3 (≥6 mg/dl). Mittels natürlicher kubischer Spline-Regression und Pearson-Korrelationen wurden Zusammenhänge zwischen UA und Schilddrüsenhormonen untersucht. Nach Adjustierung für Confounder zeigte sich:
- Bei Männern mit UA <5,30 mg/dl und Frauen mit UA <4,05 mg/dl bestand eine inverse Korrelation mit freiem Trijodthyronin (fT3)
- Protektive Effekte auf fT3 traten bei Frauen bei UA-Werten zwischen 4,83–6,06 mg/dl und bei Männern bei 6,39–7,09 mg/dl auf
- Die fT3-Spiegel waren in den niedrigen UA-Gruppen signifikant reduziert
- UA korrelierte positiv mit Triglyzeriden und BMI, negativ mit eGFR (beide Geschlechter)
Die Spline-Analysen offenbarten nichtlineare Zusammenhänge: Unterhalb der Schwellenwerte (5,30 mg/dl bei Männern, 4,05 mg/dl bei Frauen) verstärkte sich der negative fT3-Effekt mit sinkendem UA. Moderate UA-Erhöhungen zeigten dagegen schützende Effekte. Postmenopausale Frauen wiesen vergleichbare Muster mit Schwellenwerten bei 4,02 mg/dl (negativer Effekt) und 4,75–5,76 mg/dl (positiver Effekt) auf.
Als Mechanismus diskutieren die Autoren den Einfluss von UA auf oxidativen Stress (OS): Als potentes Antioxidans könnte UA bei moderaten Konzentrationen die Schilddrüsenfunktion durch OS-Reduktion schützen. Gleichzeitig könnten niedrige UA-Spiegel durch verminderte Radikalfängerkapazität die TH-Synthese beeinträchtigen. Die Assoziation blieb nach Adjustierung für BMI und Nierenfunktion (eGFR) bestehen, was auf einen eigenständigen Effekt hindeutet.
Stärken der Studie umfassen geschlechtsspezifische Analysen, strenge Ausschlusskriterien und die Identifikation nichtlinearer Effekte. Limitationen sind der Querschnittscharakter, die monozentrische Rekrutierung und fehlende Daten zu Rauchstatus. Die Ergebnisse legen nahe, dass niedrige UA-Spiegel als Risikomarker für subklinische Schilddrüsenfunktionsstörungen dienen könnten, während moderate Erhöhungen protektiv wirken. Weitere Studien sollten kausale Mechanismen und optimale UA-Zielbereiche klären.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000840