Zusammenhang zwischen Serumharnsäurespiegel und Mortalität in China

Zusammenhang zwischen Serumharnsäurespiegel und Mortalität in China

Einleitung
Harnsäure (UA), das Endprodukt des Purinstoffwechsels, wird primär über die Nieren ausgeschieden. Serumharnsäure (SUA)-Spiegel reflektieren das Gleichgewicht zwischen Purinstoffwechsel und Nierenfunktion. Historisch betrachtet war der Zusammenhang zwischen SUA und Mortalität kontrovers. Frühe Studien wie die Framingham Heart Study fanden keine klare Assoziation zwischen SUA und kardiovaskulären Ereignissen. Spätere epidemiologische Untersuchungen deuteten jedoch darauf hin, dass sowohl hohe als auch niedrige SUA-Spiegel unabhängig mit der Mortalität assoziiert sein könnten, was eine U-förmige Beziehung nahelegt. Geschlechtsspezifische Unterschiede, insbesondere in der chinesischen Bevölkerung mit stark angestiegener Hyperurikämie-Prävalenz, bleiben unklar.

Diese Studie nutzt Daten der China National Survey of Chronic Kidney Disease, einer bevölkerungsbasierten Kohorte, um den Zusammenhang zwischen SUA-Spiegeln und Gesamt-, kardiovaskulärer (CVD) sowie Krebsmortalität zu untersuchen. Durch die Verknüpfung mit nationalen Sterberegistern liefert die Analyse wichtige Erkenntnisse zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in einer repräsentativen chinesischen Erwachsenenpopulation.

Methoden
Studienpopulation und Design
Die Studie umfasste 33.268 Erwachsene (44,1 % Männer, mittleres Alter 47,3 ± 15,5 Jahre) aus der multizentrischen, geschichteten Querschnittserhebung in 13 Provinzen. Eingeschlossen waren nicht-institutionalisierte Erwachsene ≥18 Jahre. Personen mit unvollständigen SUA-Daten wurden ausgeschlossen. Mortalitätsdaten wurden vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2017 über das nationale Sterberegister erfasst. Todesursachen wurden gemäß ICD-10 kodiert: CVD (I00–I99) und Krebs (C00–C99).

Datenerhebung und Messungen
Basisdaten umfassten Demografie, Lebensstilfaktoren (Rauchen, Alkoholkonsum), Krankengeschichte und Laborparameter. Blut- und Urinproben wurden in zentralen Laboren analysiert. SUA, Serumkreatinin, Triglyceride (TGs), LDL-Cholesterol (LDL-C) und Nüchternblutzucker wurden standardisiert gemessen. Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) wurde mittels CKD-EPI-Formel für nicht-schwarze Populationen berechnet. Hypertonie wurde definiert als systolischer Blutdruck (RR) ≥140 mmHg, diastolischer RR ≥90 mmHg oder Antihypertensiva-Einnahme. Diabetes mellitus lag bei Nüchternblutzucker ≥7,0 mmol/L, Antidiabetika-Einnahme oder selbstberichteter Diagnose vor.

Statistische Analyse
Teilnehmer wurden nach Geschlecht und SUA-Quartilen stratifiziert. Cox-Proportional-Hazards-Modelle untersuchten den Zusammenhang zwischen SUA-Quartilen und Mortalität unter Adjustierung für Alter, Bildung, Rauchen, Alkoholkonsum, BMI, Wohnort (urban/ländlich), TGs, LDL-C, Hypertonie, Diabetes und eGFR. Restriktive kubische Splines mit Knoten bei der 5., 50. und 95. Perzentile bewerteten nicht-lineare Zusammenhänge. Überlebensraten wurden mittels Log-Rank-Tests verglichen. Analysen erfolgten mit SAS 9.4 (Signifikanzniveau p < 0,05).

Ergebnisse
Baseline-Charakteristika
Männer wiesen höhere SUA-Spiegel auf als Frauen (5,59 ± 1,60 vs. 4,57 ± 1,38 mg/dL, p < 0,001). In beiden Geschlechtern korrelierten höhere SUA-Quartile mit höherem Alter, BMI, RR, Serumkreatinin, TGs und LDL-C. Männer in höheren SUA-Quartilen rauchten und tranken häufiger Alkohol, während bei Frauen aufgrund geringer Prävalenz dieser Gewohnheiten keine Trends erkennbar waren.

Mortalitätsergebnisse
Während 297.538,4 Personenjahren (medianes Follow-up: 8,89 Jahre) traten 1.282 Todesfälle auf (672 Männer, 610 Frauen). CVD und Krebs verursachten 486 (250 Männer, 236 Frauen) bzw. 393 Todesfälle (219 Männer, 174 Frauen).

Geschlechtsspezifische Assoziationen
Männer: Es zeigte sich eine U-förmige Assoziation zwischen SUA und Mortalität. Verglichen mit dem dritten Quartil (5,464–6,550 mg/dL) betrugen die adjustierten Hazard Ratios (HR) für Gesamtmortalität:

  • Quartil 1 (<4,475 mg/dL): HR = 1,31 (95 %-KI: 1,04–1,67)
  • Quartil 2 (4,475–5,464 mg/dL): HR = 1,17 (95 %-KI: 0,92–1,47)
  • Quartil 4 (≥6,550 mg/dL): HR = 1,55 (95 %-KI: 1,24–1,93)

Für CVD-Mortalität lagen die HRs bei 1,47 (1,00–2,18), 1,17 (0,79–1,75) bzw. 1,67 (1,16–2,43). Die Krebsmortalität im Quartil 4 war marginal erhöht (HR = 1,43; 0,99–2,08). Kubische Splines bestätigten die U-förmige Kurve mit dem geringsten Risiko bei SUA-Werten um 5,5 mg/dL.

Frauen: Es fanden sich keine signifikanten Assoziationen zwischen SUA-Quartilen und Mortalität. Das höchste SUA-Quartil (≥6,550 mg/dL) zeigte nicht-signifikante Trends für erhöhte Gesamt- (HR = 0,99; 0,78–1,19) und CVD-Mortalität (HR = 1,40; 0,78–2,50).

Diskussion
Die Studie zeigt einen geschlechtsspezifischen U-förmigen Zusammenhang zwischen SUA und Mortalität bei chinesischen Männern. Hohe SUA-Spiegel fördern oxidative Stressprozesse, während niedrige Werte auf verminderte antioxidative Kapazität hinweisen könnten. Geschlechtsunterschiede lassen sich teilweise durch estrogenvermittelte urikosurische Effekte bei prämenopausalen Frauen erklären.

Klinische Implikationen
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, SUA-Spiegel insbesondere bei Männern in einem optimalen Bereich zu halten. Aggressive SUA-Senkung sollte individuell abgewogen werden. Zukünftige Studien sollten den Einfluss der Menopause auf das Mortalitätsrisiko bei Frauen untersuchen.

Stärken und Einschränkungen
Stärken umfassen die große, repräsentative Kohorte und lange Nachbeobachtungszeit. Limitationen sind potenzielle Labormessvarianz, Einzelzeitpunktmessungen von SUA und fehlende Daten zu UA-senkenden Therapien.

Zusammenfassung
Bei chinesischen Männern besteht ein U-förmiger Zusammenhang zwischen SUA und Gesamt- sowie CVD-Mortalität, der eine ausgewogene SUA-Kontrolle erfordert. Bei Frauen fehlen signifikante Assoziationen, was geschlechtsspezifische Risikostratifizierung unterstreicht.

Datenverfügbarkeit
Die Daten sind über die China National Survey of Chronic Kidney Disease und das Chinese Cause of Death Reporting System zugänglich.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001631

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